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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Der Alte und die drei Jungen

Der Alte und die drei Jungen

Jean de La Fontaine

Ein alter Mann grub ein Loch in die Erde, um einen Baum zu pflanzen. Da kamen drei junge Burschen vorbei und sagten zu ihm: „Was machst du dir in deinem Alter noch so viel Mühe. Du hast dein Leben doch hinter dir und solltest dich nicht mehr unnötig plagen. Selbst, wenn das Bäumchen, das du pflanzen willst, mit seinen jungen Wurzeln ausschlägt, wirst du nicht mehr erleben, dass ein Baum daraus wird. Deine Anstrengungen lohnen sich nicht für dich, du solltest solche Arbeiten uns Jüngeren überlassen."
    
„Das sehe ich ganz anders", erwiderte da der Ältere. „Selbst, wenn ich es nicht mehr erleben werde, dass meine Pflanze zu einem stattlichen Baum heranwächst, so tue ich es für meine Enkel. Die, welche mir ans Herz gewachsen sind, werden sich an dem Baum erfreuen und können sich in seinem Schatten ausruhen. Außerdem wissen wir heute nicht, welches Schicksal jeden von uns treffen wird. Auch ihr könnt nicht sicher sein, dass ihr noch eine lange Zukunft vor euch habt."
     
Es zeigte sich, dass der Alte leider Recht behielt. Der erste der drei Burschen fiel vom Bord eines Schiffes, das ihn nach Amerika bringen sollte. Der zweite wurde Offizier und verlor noch in jungen Jahren sein Leben im Krieg. Der dritte schließlich fiel von einem Baum, den er pfropfen wollte, und brach sich das Genick.
   
Nur der alte Mann lebte noch einige Jahre und ihm blieb nur, die drei hoffnungsfrohen Jüngeren zu betrauern.
 
    
Fazit: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen" (Martin Luther) - Es gilt immer nur das Heute.
 
   
nacherzählt von Florian Russi

  

   

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Teaserfoto: pixabay, aus zwei Bildern zusammengefügt und neu bearbeitet von Kati Spantig, Urheber beider Bilder: ClkerFreeVectorImages (gemeinfrei, kein Bildnachweis nötig)  

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