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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Das Mädchen

Das Mädchen

Jean de La Fontaine

Sie war eine Schönheit, die viele Blicke auf sich zog. Eine große Anzahl von jungen Männern warb um sie, lud sie zum Essen oder Feiern ein, machte ihr Komplimente und Geschenke. Sie war sich ihrer Wirkung auf die Männer sehr wohl bewusst und dachte: „Ich kann es mir leisten, nur den zu nehmen, der all das erfüllt, was ich von einem Partner erwarte. Er muss blendend aussehen, beste Manieren besitzen, hoch gebildet, erfolgreich und sehr vermögend sein. Ich erwarte mir einen gesunden und sportlichen Mann, der unterhaltsam ist und mich auch zum Lachen bringen kann."

Doch unter ihren vielen Verehrern fand sie nicht einen einzigen, der ihren Erwartungen entsprach. Der eine war ihr nicht reich genug, ein anderer zu wenig gewandt, bei einem weiteren gefiel ihr die Nase nicht. Da entschied sie sich, keine Kompromisse einzugehen und auf eine Lebenspartnerschaft zu verzichten.

So blieb sie das, was man heute „Single" nennt und war damit recht zufrieden. Je älter sie jedoch wurde, desto mehr kam ihr das Alleinsein immer unbefriedigender vor. Sie begann, sich nach einem männlichen Partner zu sehnen. Doch die Männer, die in Frage gekommen wären, hatten sich längst mit anderen Frauen verbunden. Beim Blick in den Spiegel musste sie außerdem erkennen, dass ihre einstige Schönheit mit den Jahren verschwunden war. Sie begann, sich zu schminken. Doch auch das nutzte nichts. Männer können, wenn sie einmal abgewiesen wurden, nachtragend und zynisch sein. Das einst so junge hübsche Mädchen, inzwischen zur alten Frau geworden, hatte jedoch inzwischen ein unerträgliches Verlangen nach einem Mann, und da sie keinen anderen fand, nahm sie einen Krüppel.

Fazit: Wer glaubt, dass ihm alle Ansprüche und Erwartungen erfüllt werden müssten, kann nur Enttäuschungen erleben.



nacherzählt von Florian Russi

   

    

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Teaserfoto: pixabay, Urheber: ArtsyBee (gemeinfrei, kein Bildnachweis nötig)
 

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