Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Magisches Lesevergnügen bietet Ingrid Annels Jugendroman, der den Leser auf eine Zeitreise ins Mittelalter führt.

 

Zwei Cellistinnen

Zwei Cellistinnen

Florian Russi

Zwei Schülerinnen an einer Musikschule hatten staatliche Auszeichnungen bekommen und waren mit Recht recht stolz darauf. Beide spielten Cello und bedankten sich in einer Konzertstunde für den verliehenen Preis, indem sie gemeinsam Etüden, Suiten und Sonaten vorführten. Nachdem der Direktor der Schule die anwesenden Eltern und Gäste begrüßt hatte, ergriff der Lehrer der ersten der beiden Schülerinnen das Wort und sagte: „An ihrem Beispiel kann man sehen, wie sich Talente vererben und es sich auszahlt, wenn Eltern ihre musikbegabten Kinder anregen und fördern. Schon seit frühester Kindheit wurde unsere Preisträgerin mit dem Cello vertraut gemacht.“

Danach trat die Lehrerin der zweiten Schülerin auf und erklärte: „Meine Vorzugsschülerin ist einen anderen Weg gegangen. Als Kleinkind kam sie mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern in unser Land. Ihr Vater und ein älterer Bruder waren von religiösen Fanatikern ermordet worden. Deshalb musste die Mutter mit den Kindern fliehen. Sie war nicht vermögend, und so musste sie, obwohl sie in ihrem Herkunftsland als Erzieherin gearbeitet hatte, bei uns als Raumpflegerin arbeiten. Zweimal pro Woche ging sie zu einem bekannten Cellisten, um dessen Wohnung zu putzen. Dabei durfte sie ihr Töchterchen mitnehmen. Die hörte aufmerksam zu, wenn der Cellist seine täglichen Übungen veranstaltete. Nachdem sie gelernt hatte, ein wenig in unserer Sprache zu sprechen, ging sie eines Tages auf den Musiker zu, umfasste mit ihren Kinderhänden seine Knie und sagte mit leuchtenden Augen: „So wie du möchte ich auch einmal spielen können.“ Der Cellist war davon so gerührt, dass er sich ein kleines Saiteninstrument besorgte und die Kleine darauf spielen ließ. Dabei erkannte und entwickelte er ihr Talent. Das Ergebnis werden wir heute zu hören bekommen.

Ihr seht, Talente lassen sich auf mehrere Weisen entdecken und entwickeln. Ohne Talente geht es nicht. Doch ihre Wege sind nicht vorgezeichnet. Nicht nur die Eltern, alle, die helfen können, sind gefragt.“

Fazit: Kunst ist ein Reichtum, der allen Menschen gehört. Jedes neu entdeckte Talent trägt zu diesem Reichtum bei.

Oder: Jeder, der ein Talent fördert, bereichert eine ganze Kultur.

Oder: Hinweis: Auch der Stammvater der Musikerfamilie Bach kam als Glaubensflüchtling nach Deutschland, und ein Berufsmusiker und die Stipendien einiger wohlhabenden Bürger ermöglichten dem frühen Halbwaisen Johann Sebastian Bach seine Ausbildung.

Anmerkung: Diese schöne Fabelgeschichte hat den Vorteil, dass sie sich tatsächlich ereignet hat.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Die Torte
von Florian Russi
MEHR
Treppauf
von Florian Russi
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen