Der Präsident eines Landes musste feststellen, dass die einheimischen Bürger sich vehement gegen Flüchtlinge und Zuwanderer aus anderen Staaten zur Wehr setzten. Sie beschimpften sie, unterstellten ihnen ständig neue Bosheiten und Verbrechen, verübten Anschläge auf ihre Unterkünfte, forderten, sie alle ohne Prüfung abzuschieben und wählten Parteien, die gerade dies versprachen. Erstaunlicherweise hatte ein benachbartes Land, das ebenfalls viele Flüchtlinge aufgenommen hatte, diese Probleme viel besser im Griff.
Deshalb brach der Präsident zu seinem Kollegen im Nachbarstaat auf, um ihn zu befragen, was dieser anders anstelle als er. Der antwortete: „Xenophobie, das heißt Angst vor allem Fremden, ist unter allen Menschen verbreitet. Ich habe aber gelernt, dass Angst ein Gefühl der Hilflosigkeit ist. Wer bei Sturm in einem wetterfesten Haus sitzt, empfindet keine Angst, vielleicht sogar ein Hochgefühl. Deshalb lösen wir unser Migrantenproblem klar, für jeden erkennbar und in sicheren Bahnen:
Illegale Einwanderungen verhindern wir so gut wir können. Unsere Grenzen bewachen wir, moderne Technologien helfen uns dabei. Schleuser werden nach unseren Gesetzen sehr streng bestraft und abgeschreckt.
Jeder, der einreisen will, muss sich ausweisen können. Normalerweise kommt man ohne Pass in kein fremdes Land. Asylanträge werden von besonderen Kommissionen direkt an den Grenzen geprüft und entschieden. Wo Hilfe notwendig ist und wir helfen können, helfen wir. Doch als Staat verstehen wir Asyl als Rettung aus Not und Gefahr, nicht als Akt der Barmherzigkeit. Deshalb gewähren wir auch nicht generell Familienzusammenführungen. Wer zu uns kommt, muss arbeiten und sich, soweit er kann, seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Wenn er anders keine Arbeit findet, bestimmen unsere Behörden darüber.
Wer Straftaten begeht, wird konsequent verfolgt, und wenn möglich außer Landes verwiesen. Minderjährige Straftäter müssen in Erziehungseinrichtungen oder werden einem Fachpädagogen zugewiesen. Das kostet Geld, kommt uns aber weniger teuer als die Folgen von weiteren Straftaten. Außerdem helfen viele unserer Bürger als Ehrenamtliche mit.
Bilden eingewanderte Familien eine Gang, so muss die ganze Familie unser Land verlassen. In unserem Strafrecht gilt der Grundsatz: Wer zu einer Gruppe von Straftätern gehört, wird dafür in Haft genommen, auch wenn er selbst keine unmittelbare Straftat begangen hat.
Unser Staat entwickelt sich und wir sind uns klar darüber, dass wir ausländische Fachkräfte und integrationsbereite Zuwanderer brauchen. Dafür werben wir sogar. Wir fördern Verbände und Organisationen, die sich um die Integration bemühen, Freundschaften zwischen In- und Ausländern vermitteln und dafür Sorge tragen, dass sich die Migranten nicht abkapseln.
Das alles regeln wir offen, sprechen es an und dokumentieren es. So nehmen wir unseren Bürgern das Gefühl der Hilflosigkeit, also die Angst. Allerdings gebe ich zu, dass es auch bei uns immer noch etliche Widersacher gibt. Doch das sind Überängstliche, oft auch Identitäre, Rassisten oder seelisch Gestörte. Auch darüber reden wir offen in einem ständigen Dialog.“
Der Präsident hörte es und runzelte die Stirn. Dann sagte er: „Herr Kollege, ich danke Ihnen für das Gespräch.“
Fazit: Ängste müssen ernstgenommen werden. Der Staat als höchste Gewalt muss für Sicherheit sorgen.
Oder: Wichtigste Aufgabe des Rechtsstaates ist es, das Zusammenleben seiner Bürger zu ordnen und zu schützen.
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Vorschaubild: illustrations/furcht-ich-habe-angst-sitzen-1940184/, Urheber: Bild von Dmitry Abramov auf Pixabay.