Ein junger Mann studierte Anthropologie, die Wissenschaft von den Menschen, und Biologie, die Wissenschaft über das Leben. Da sein Großvater ein leidenschaftlicher Rassist und Antisemit war, nahm er sich das Thema „Rassen“ als besonderes Forschungsgebiet vor. Als Rasse bezeichnet man eine Gruppe von Lebewesen, die durch gemeinsame Herkunft, ähnliches Aussehen und gleiche Anlagen als geschlossene Einheit in Erscheinung tritt. Ein wichtiges Merkmal ist es dabei auch, dass sich ihre Mitglieder nur untereinander fortpflanzen können.
So lassen sich Tiere leicht in Rassen unterteilen. Manche laufen auf vier, andere auf zwei Beinen, einige fliegen durch die Luft, andere schwimmen im Wasser oder müssen auf dem Boden bleiben. Einige leben von Fleisch, andere ernähren sich ausschließlich von Pflanzen, manche haben Zähne, andere Schnäbel oder Kiemen. Das sind unverkennbare Unterschiede. Auch kann ein Pavian weder mit einem Pinguin noch einem Schwertfisch und ein Storch weder mit einem Krokodil noch mit einer Eintagsfliege gemeinsame Nachkommen zeugen.
Bei den Menschen ist das anders. Ein Mensch aus Feuerland schafft das grundsätzlich mit einem Deutschen oder Chinesen, ein Inuit mit einem Beduinen, ein Hindu mit einem Christen, ein Dunkelhäutiger mit einem Hellhäutigen oder ein Blinder mit einem Sehenden – vorausgesetzt natürlich, sie gehören verschiedenen Geschlechtern an. Geschlechter aber bilden selbst keine Rassen.
Rassisten wollen sich aber trotzdem von anderen Menschen abgrenzen und etwas ganz Besonderes sein. „Das sind sie durch Unkenntnis, Anmaßung, Dummheit oder Gestörtheit. Ich will dieser Rasse nicht angehören.“, erklärte der Student.
Fazit: Eine Gruppe von Dummköpfen bildet noch keine Rasse.
Oder: Würde ein Rassist sich nach einem Unfall weigern, das Blut eines ihm Fremden übertragen zu bekommen?
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