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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Ma‘at

Ma‘at

Florian Russi

„Was liest du denn da?“, fragte ein Mann seine Frau. „Ich lese von Ma‘at“, antwortete sie. „Was ist das?“, fuhr er fort und sie antwortete: „Es ist ein altägyptisches Regelwerk für Gerechtigkeit, Wahrheit, Ordnung und Lebensführung und enthält 42 Lebensregeln, über die jeder Ägypter Rechenschaft ablegen musste, wenn er nach seinem Tod ins ewige Leben und nicht in die Verdammnis wollte. Eine der Rechtfertigungen lautete: ‚Ich habe nie etwas Unrechtes getan', eine andere: ‚Ich habe nie gestritten und war nie gewalttätig, habe keinen Schaden erregt', und wieder eine andere: ‚Ich habe nie jemanden sein Land weggenommen' oder: ‚Ich habe kein Wasser verunreinigt'. Man hielt die Einhaltung der Ma‘at für so wichtig, dass man sie auch als Göttin personifizierte und sie als Tochter des Schöpfergottes Re deklarierte. Verheiratet war sie mit Res Wesir Thot, der die Aufgabe hatte, den Willen des obersten Gottes durchzusetzen. Der Glaube an Ma‘at war schon seit dem Entstehen des ägyptischen Reiches vor fast 5000 Jahren bekannt.“

Der Mann schüttelte den Kopf. „Seit fast 5000 Jahren schon? Wie hat sich denn in dieser langen Zeit die Menschheit entwickelt? Wie kommt es, dass wir heute von Kriegen, Vertreibungen, Unrecht, Unterdrückung, Lügen und Korruption geplagt werden? Haben wir Menschen alles verlernt?“

Fazit: Das Böse entwickelt sich von selbst, für das Gute muss ständig neu gekämpft werden.

 

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Vorschaubild: vectors/maat-ägyptisch-göttin-gottheit-7599155/, Urheber: Gordon Johnson auf Pixabay.

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