Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Lob der Faulheit

Lob der Faulheit

Florian Russi

Ein Angestellter wurde 60 und beging sein 40-jähriges Dienstjubiläum. „Was sage ich nur zu seiner Ehrung?“, fragte der Firmenchef verzweifelt seine Sekretärin. „Ich hätte ihn längst aus unserem Betrieb rausschmeißen müssen, wenn nicht die Arbeitsschutzgesetze so streng und die Personalnot so groß gewesen wären. Er war stinkfaul, hat nie mehr gearbeitet, als er unbedingt musste. Ich erinnere mich nicht, dass er in den 40 Jahren seiner Tätigkeit auch nur ein einziges Mal einen Vorschlag gemacht hätte, wie wir unsere Arbeitsabläufe oder die Firmenstruktur verbessern könnten. So also werde ich nur sagen, dass er 40 Jahre in unserer Firma tätig war und erzählen, was sich in dieser langen Zeit in der Welt an besonderen Vorkommnissen ereignet hat. Weiterhin werde ich einfach behaupten, dass er ein guter Familienvater gewesen sei. Das klingt gut und lässt sich nur schwer widerlegen.“

Es kam zur Ehrung. Der Chef hielt die angekündigte Rede und die Betriebsangehörigen klatschten verhalten Beifall. Dann trat der Geehrte vor und hub an zu einer Dankesrede.

„Werte Kollegen, ich weiß, dass viele von euch mich einen Faulenzer nennen, doch der war ich nie. Tatsächlich habe ich im Betrieb immer nur das Notwendigste getan. Wenn ein Betriebsausflug oder eine Feier zu organisieren war, habe ich mich nie vorgedrängt und es denen überlassen, denen das Freude bereitete. So gab es keine Eifersüchteleien.

Auch bei den täglichen Verrichtungen habe ich mich auf das beschränkt, was es notwendig zu tun galt. Eine Firma, die immer wieder in hektisches Treiben verfällt, ist nicht richtig organisiert. Wenn wirklich einmal unvorhersehbarer Zeitdruck entsteht, ist es Sache der Betriebsleitung, richtig damit umzugehen. Dafür wird sie ja auch gerechterweise besonders entlohnt. Mir hat mein Einkommen gereicht. Ich habe mir Zeit genommen für meine Familie und kann glücklich feststellen, dass meine beiden Kinder wunderbar geraten sind.

Wenn alle Menschen auf der Welt so wie ich nur das Nötigste tun würden, gäbe es keine Kriege und keine Demütigungen und Unterdrückungen. Solche Aktionen gehen von Leuten aus, die sich hervortun wollen und von Ehrgeiz getrieben sind. Das geht dann sehr oft auf Kosten anderer.“

Fazit: In jedem Fall ist es besser, nichts zu tun als das Falsche.

Oder: Schlimm sind die Faulenzer, die andere übermäßig für sich arbeiten lassen.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Wegführer
von Florian Russi
MEHR
Die Zuwendung
von Florian Russi
MEHR
Long Psyvid
von Florian Russi
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen