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B-Z! Das ist nett! (Teil 2)

Dresdner Schrift-Sprach-Erwerb - 3. Heft

Anne Volkmann und Annett Zilger

Arbeitsheft zum Schreibenlernen

Das Arbeitsheft beinhaltet die Erarbeitung und Positionsanalyse aller noch fehlenden Konsonanten. Diese werden in Silben, Wörtern und Texten gelesen und geschrieben

Kriegskameraden

Kriegskameraden

Florian Russi

Der Krieg tobte schon seit mehreren Jahren und es war schlimm, was die Soldaten durchleiden mussten. Alle fürchteten um ihr Leben, viele verloren es, sie nannten sich Kameraden, weil sie ständig denselben Gefahren ausgesetzt waren und dieselben Nöte durchstehen mussten. Wenn mal für kurze Zeit eine Waffenruhe eintrat, dachten sie an ihr Zuhause, an ihre Familien und die Menschen, die sie liebten. Dann traten sie zusammen und sangen voller Wehmut und Hoffnung: „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehen.“

Zwei dieser Kameraden, der eine blond, der andere dunkelhaarig, waren an der Front zu Freunden geworden. Der Krieg wurde verloren. Beide überlebten ihn. Als er endlich zu Ende war, zog der Blonde zurück in seinen Heimatort und schloss seine geliebte Freundin in die Arme und ebenso seine Eltern und Geschwister. Es flossen Tränen der Rührung und Dankbarkeit. „Nie wieder Krieg“, sagten sie gegenseitig.

Der Dunkelhaarige hatte sich von seinem Heimatort entfremdet und anderswo vergeblich sein Glück gesucht. Eine Liebste, die auf ihn wartet, gab es nicht, seine Eltern waren verstorben, den Vater hatte er gehasst, Geschwister hatte er keine. Wo also sollte er hin? Er schloss sich mit Kameraden zusammen, die, ähnlich wie er, niemanden hatten, der auf sie gewartet hätte. Mühsam nur fristete er sein Leben, er verfügte über viel Zeit, mischte sich unter mehrere Gruppen und Gesellschaften, in denen Unzufriedene sich zusammenfanden. Einige schlossen sich enger zusammen, formulierten harte Proteste, und da der Dunkelhaarige ein sehr lautes Mundwerk hatte, ernannten sie ihn zu ihrem Vorsitzenden. Unter seiner Führung bildete sich eine Bewegung, die immer mehr anwuchs. Das aber führte dazu, dass der Dunkelhaarige schließlich zum Präsidenten seines Landes gewählt wurde. Sofort dachte er an den verlorenen Krieg zurück. Er wollte Rache und bereitete einen neuen Krieg vor. Diesmal wollte er als Sieger daraus hervorgehen.

Eines Tages besuchte ihn sein blonder Kriegskamerad von einst, berief sich auf ihre Freundschaft und bat ihn dringend, von seinen Kriegsplänen Abstand zu nehmen. Er aber antwortete: „Der Krieg war grausam, aber er war mein Leben. Ich werde ihn wieder aufnehmen und setze daher auf Volksgenossen wie dich.  Halte dich also bereit zum nächsten Gang. Ein Wiedersehen gibt es diesmal an der Front.“ Der Kamerad aber fuhr verzweifelt zurück zu seiner Familie und sagte: „Man sollte niemandem so viel Verantwortung übertragen, der nichts Richtiges gelernt und vor allem kein persönliches Gleichnis, keine Liebsten, keine Familie oder Lebensgefährten hat.“

Fazit: Wer es nicht gelernt hat, zu lieben, steht immer in Gefahr, zerstörerisch zu wirken.

 

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Vorschaubild: vectors/soldaten-heer-militär-marschieren-7893471/, Urheber: Gordon Johnson auf Pixabay; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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