Ein Populist wandte sich an einen Psychiater: „Ich bitte Sie, es streng geheim zu halten, doch ich muss Sie um Hilfe bitten. Gestern habe ich vor meinen Anhängern eine längere Rede gehalten. Ich hatte noch nicht geendet, da brach ein riesiger Jubel aus und am Schluss sah ich sogar Engel vom Himmel steigen, die auf ihren Posaunen bliesen. Ich weiß, ich bin dafür ausersehen, unsere Gesellschaft in eine große Zukunft zu führen.
Schlimm war es jedoch für mich, dass ich plötzlich überhaupt nichts mehr sah und hörte. Mein Leibwächter hat mich dann diskret weggeführt und auf eine Liege gelegt, wo ich in Trance gefallen bin. Als ich wieder aufwachte, habe ich meinen Leibwächter nicht wiedererkannt. Wissen Sie ein Mittel gegen solche Ausfälle?“
„Medikamente dagegen kenne ich nicht“, antwortete der Psychiater. „Doch eine längere Therapie könnte Ihnen helfen. Treten Sie nicht mehr öffentlich auf und beschränken Sie sich darauf, Ihre Anhänger nur noch über die sozialen Medien anzusprechen.“
„Das wird ihnen nicht reichen. Sie wollen mich direkt hören und sehen“, erwiderte der Populist.
„Ja, und vor allem umjubeln“, sagte der Psychiater. „Es gibt eine psychische Abhängigkeit, die ich als „Jubelitits“ bezeichne. Viele Menschen haben das Bedürfnis, ständig zu jubeln, sonst fehlt ihnen etwas. Egal worüber, Jubel muss sein. Ich bin deshalb dafür, mehr große Musik-Festivals durchzuführen. Die sind in der Regel unpolitisch und ohne Aggressivität. Außerdem kann man mitsingen und die Texte sind friedlicher als die in den Reden von Populisten. Und der Jubel gehört immer dazu.“
Fazit: Jubel ist kein Maßstab für Gut und Böse, Richtig oder Falsch.
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