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Carolin Eberhardt (Hg.)

Spiele im Freien

In diesem kleinen Heft sind 12 verschiedene Teamspiele/Mannschaftsspiele für Draußen vorgestellt. Sie förden den Teamgeist, schärfen die Sinne, und verbessern Empathie und Gemeinschaftssinn.

In 80 Tagen ums Weltall

In 80 Tagen ums Weltall

Florian Russi

Er war ein genialer Erfinder und Entwickler. Sein Leitspruch lautete „Wo liegt das Problem?“ und in der Welt der Technik schien er keines zu kennen. „Bald werde ich auch durchs Weltall reisen“, verkündete er selbstsicher. „Es gibt für alles einen Weg, und im All sind es die Wurmlöcher, durch die wir in kürzester Zeit längste Entfernungen hinter uns bringen können.“ In Anlehnung an den Roman „In 80 Tagen um die Welt“ versprach er, in der gleichen Zeit das Weltall zu umrunden und mit vielen Erkenntnissen auf die Erde zurückzukehren.

In jahrelanger Arbeit hatte er mit seinem Assistenten ein Raumschiff gebaut, von dem sie sicher waren, dass es sie ungefährdet durchs Weltall führen werde. Sie waren Mitglieder in einem wissenschaftlichen Club. Dort schlossen sie mit mehreren Kollegen eine Wette ab, dass ihnen das geplante Unternehmen gelingen werde und sie nach genau 80 Tagen wieder zurück sein würden.

Unter großer Anteilnahme von Medien, Wissenschaftlern und Laien starteten sie von einer Hochebene aus in Richtung Milchstraße. „Wir wollen nichts dem Zufall überlassen“, hatten sie sich versichert, und tatsächlich verlief ihre Reise nach Plan. Nach genau 80 Tagen landeten sie wieder auf der Hochebene, von der aus sie gestartet waren.

Sie hatten erwartet, dass eine große Menschenmenge sie erwarten würde, doch es waren nur einige Männer auf Pferden in der Nähe, die neugierig herangeritten kamen und laut in einer Sprache redeten, die sie nicht verstanden. Der Erfinder schaute auf seine Uhr und sagte: „Es ist genau 80 Tage her, dass wir gestartet sind. Warum hat uns niemand geglaubt? Wo sind all die, die uns mit viel Getöse von hier verabschiedet haben?“

Inzwischen waren die Berittenen bei ihnen angekommen, aber anstatt sie zu bewundern, ergriffen sie die beiden, fesselten sie und banden sie auf eines ihrer Pferde. Dann machten sie sich auf zu einem in der Nähe gelegenen Ort. Dort hatte sich eine Menge versammelt, die einem Mann zuhörte, der offensichtlich ein Prediger war. Auch ihn konnten die zwei Weltallerkunder nicht verstehen. Der Prediger gab den Berittenen ein Zeichen und die führten die beiden in einen kalten Raum, den sie hinter ihnen abriegelten. Am folgenden Morgen kamen sie wieder und schleppten die beiden in einen größeren Raum. An dessen Wand saß in einem breiten Sessel der Prediger, umringt von vier Männern, die schwarze Kutten trugen. Die fünf Versammelten richteten finstere Blicke auf die Weltenumsegler. Der Prediger fauchte die beiden in einer Sprache an, die sie nicht verstanden. An seinen wilden Gesten erkannten sie jedoch, dass er immer wieder vom Teufel sprach und ihnen mit schwerster Folter drohte. Der Erfinder konnte antworten, was er wollte. Auch er wurde vom Prediger nicht verstanden, was diesen aufs Höchste empörte.

„Wir sind im 12. Jahrhundert gelandet und stehen vor der Inquisition“, raunte der Assistent dem Erfinder zu. „Im All haben wir nicht darauf geachtet, dass Zeit relativ ist. Jetzt stehen wir davor, gefoltert und verbrannt zu werden.“

„Das war’s dann wohl mit uns beiden“, antwortete der Erfinder unter Tränen. Doch da wurde er von seinem Assistenten heftig gerüttelt. „Wach auf“, rief dieser ihm zu. „Es kann uns nichts geschehen. Zwar sind wir im 12. Jahrhundert gelandet und die Menschen, die wir gesehen haben, haben zu dieser Zeit gelebt. Auch die schreckliche Inquisition hat es gegeben, uns aber hat sie nicht betroffen. Das 12. Jahrhundert auf der Erde ist ohne uns abgelaufen. Damals hat es uns noch nicht gegeben. Also konnte man uns weder verhaften noch foltern und verbrennen. Ich schlage vor, dass wir zurück zu unserem Raumschiff gehen und erneut ins All fliegen. Wir müssen es so steuern, dass wir zu unserer Lebenszeit wieder auf der Erde landen. Sie sind doch ein großer Erfinder. Richten Sie es so ein, dass es genau 80 Tage nach unserem Start stattfindet. Wir wollen doch beide keine Wette verlieren.“

Fazit: Wer Großes vorhat, muss an viele Möglichkeiten denken.

Oder: Wenn wir die Erde verlassen, müssen wir uns auf viele Überraschungen einstellen.

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