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Christoph Werner
Um ewig einst zu leben

Roman

Um 1815 zwei Männer, beide Maler - der eine in London, der andere in Dresden; der eine weltoffen, der andere düster melancholisch. Es sind J. M. William Turner und Caspar David Friedrich. Der Roman spielt mit der Verbindung beider.

Auch als E-Book erhältlich 

Im Glanze der Könige

Im Glanze der Könige

Florian Russi

Ein Minister trat vor seinen König und sagte: „Ich muss Ihnen leider eine unerfreuliche Mitteilung machen: Ich habe gehört, dass Graf Robert jede Gelegenheit nutzt, über Sie zu stänkern und Sie schlecht zu machen. Er ist nicht ohne Einfluss und kann Ihnen sehr schaden. Ich schlage vor, dass wir einen Vorwand finden, um ihn zu verhaften.“

„Das ist nicht so einfach“, antwortete der König. „Ich weiß, dass es außer Graf Robert noch eine Reihe weiterer Stänkerer gibt. Organisieren Sie einen pompösen Festball und laden Sie Graf Robert dazu ein.“

„Um ihn dort zu verhaften?“, fragte der Minister erstaunt.

„Im Gegenteil werde ich ihn und seine Frau besonders herausstellen. Auch werde ich seine Tochter mit einladen, die im heiratsfähigem Alter ist. Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe.“

Der Minister folgte der Anweisung und organisierte ein rauschendes Fest, über das noch Wochen danach voller Bewunderung gesprochen wurde. „So war es richtig“, lobte der König seinen Minister. „Bereiten Sie sehr bald das nächste Fest vor. Ich will, dass von jetzt an in meinem Schloss ständig neue Feiern stattfinden. Eines sollte das andere an Prunk und Festlichkeit überbieten. Für all meine Grafen, Marschälle und Hochadligen muss es wichtig sein, bei keinem dieser Feste zu fehlen.“

‚Ich hätte Graf Robert längst bestraft ', dachte der Minister bei sich, gehorchte aber dem Befehl seines Königs.

Bei einer der nächsten Feierlichkeiten erschien Graf Robert alleine, ohne Frau und Tochter. „Ich muss die beiden Frauen leider entschuldigen“, sagte er. „Eine Grippe hat sie befallen.“

Der König reichte ihm gönnerhaft die Hand und sagte anschließend zum Minister: „Mein Plan scheint aufzugehen. Schon hat Graf Robert seine beiden Damen nicht mitgebracht. Er hat sie wegen Krankheit entschuldigt. Mein Kämmerer aber hat mir einen anderen Grund genannt. Graf Robert ist über beide Ohren verschuldet. Allein die prächtigen Kleider, die er für die beiden Damen schneidern lassen musste, haben ihn ein Vermögen gekostet. Schließlich wäre es unter ihrer Würde gewesen, zweimal mit denselben Gewändern aufzutreten. Rufen Sie also zum nächsten Fest auf. Es soll alles Bisherige in seinen Schatten stellen. Ich weiß, dass mehrere meiner Widersacher überschuldet sind. Ich habe deshalb in den obersten Stockwerken unseres Schlosses bescheidene, aber ausreichende Wohnungen einrichten lassen. Darin können sie einziehen und sich von unseren Köchen versorgen lassen.“

„Graf Robert wird zu stolz sein, um darauf einzugehen“, erwiderte der Minister.

„Ich werde ihm sagen, dass ich ihn in meiner unmittelbaren Nähe dringend brauche“, erklärte der König.

Fazit: Um gegenüber anderen zu gewinnen, reicht es oft, ihre Schwächen zu nutzen.

Oder: Eitelkeit und Prunksucht sind schlechte Wegbegleiter.

 

*****

Vorschaubild: photos/pfau-tier-vogel-federn-eitelkeit-1676635/, Urheber: NoName_13 auf Pixabay.

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