Eine Weltmacht fiel militärisch über einen Nachbarstaat her, vergewaltigte und tötete viele seiner Bürger und besetzte ihn. Das löste in der ganzen Welt große Empörung aus. Doch der Präsident der Weltmacht erklärte: „Unser Nachbarland hat uns in den vergangenen Jahren ständig bedroht, hat sich militärisch aufgerüstet und neue gefährliche Waffen entwickelt. So blieb uns zum Schutz unserer Bürger nichts Anderes übrig, als vorbeugend einzugreifen und den Nachbarstaat zu besetzen.“ Viele, die der Weltmacht zugetan oder von ihr bestochen worden waren, sahen das ein und verteidigten es nach außen.
Es dauerte nicht lange, da fiel die Weltmacht über einen weiteren Nachbarstaat her. Auch hier betonte deren Präsident, dass es nur darum gegangen sei, die eigenen Grenzen zu schützen. Wieder gab es viel Kritik, aber auch viel Verständnis.
Nach kurzer Zeit nahm sich die Weltmacht ein weiteres Land vor, das in unmittelbarer Nachbarschaft der von ihr zuvor eroberten Staaten lag. „Es geht allein um unsere berechtigen Schutzbedürfnisse“, erklärte der Präsident der Weltmacht. „Inzwischen haben viele Bürger unseres Staates in den von uns besetzten Ländern Wohnungen genommen. Für sie stellt der von uns neu eroberte Staat eine ständige Bedrohung dar.“
So ging es weiter. Doch nach einiger Zeit trat in einer anderen Weltmacht ein Politiker auf und erklärte: „Wenn wir überbleibenden Länder uns jetzt nicht zusammenschließen und uns zur Wehr setzen, werden wir bald alle überfallen und unterjocht sein. Je länger wir damit warten, desto schwächer werden wir sein. Wenn zwei Seeleute auf Feuerland erklären, den Präsidenten der Gegenmacht bekämpfen zu wollen, wird ihm das ausreichen, auch dort einzugreifen. Zunächst müssen wir ihn zwingen, jede Gewaltanwendung einzustellen. Frieden wird es nur geben, wenn alle überfallenen Länder ihre Freiheit zurückerhalten und, wenn möglich, der Präsident der aggressiven Weltmacht vor ein rechtstreues Gericht gestellt wird.“
Fazit: „Wehret den Anfängen“ (Ovid)
Oder: Grenzen sollen Eigenständigkeit und Frieden sichern. Wer sie gewaltsam verschiebt, ist ein Verbrecher.
Oder: Auch Hitler begründete seinen Einmarsch in Polen mit der Lüge, sich wehren zu müssen („Seit 3:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen.“)
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Vorschaubild: https://pixabay.com/de/illustrations/zaun-stacheldraht-grenze-gef%C3%A4ngnis-8676537/, Urheber: Tung Lam auf Pixabay.