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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Erfahrungsbasiert

Erfahrungsbasiert

Florian Russi

Ein Unternehmer hatte einen Chip entwickelt, der als Steuerungssystem für bestimmte technische Vorgänge konkurrenzlos war. Nun suchte er in dem Land, in dem er lebte, einen geeigneten Ort, um dort die Fabrik zu errichten, in welcher der Chip hergestellt werden sollte. Man konnte damit rechnen, dass dadurch eine große Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen würde.

Deshalb schaltete sich auch der Wirtschaftsminister des Landes in die Suche ein. Aus strukturellen Gründen bot sich eine bestimmte Gemeinde besonders als Fabrikstandort an. Der Minister lud den Bürgermeister dieser Gemeinde und den Unternehmer zu einem Vorstellungsgespräch ein.

Bei diesem Gespräch hob der Bürgermeister die vielen Vorzüge seiner Gemeinde hervor und nannte viele Gründe, die dafürsprachen, die Fabrik genau dort anzusiedeln. Dann sagte er zum Wirtschaftsminister: „Der Unternehmer und ich hatten schon einmal in einer anderen Angelegenheit miteinander zu tun. Damals waren die Umstände leider so, dass wir nicht zusammengefunden haben. Das bedauere ich sehr und ich denke, dass er als souveräner Wirtschaftskapitän nicht nachtragend ist.“

„Das bin ich auch nicht“, erwiderte der Unternehmer. „Bei unserem früheren Zusammentreffen ging es um einen Kindergarten. Seine Gemeinde hatte ihn ausgeschrieben und eine Kusine von mir leitete eine Gesellschaft, die an der Übernahme interessiert war. Sie bewarb sich und bat mich um Unterstützung. Ich traf mich mit dem Bürgermeister. Er erklärte mir, dass es einen gewichtigen Mitbewerber geben würde. Er bot mir höchste Vertraulichkeit an und schlug vor, in Vier-Augen-Gesprächen alle weiteren Maßnahmen offen zu besprechen. Das habe ich von mir aus getan und ihm auch von den Gedanken und Plänen meiner Kusine und ihrer Organisation berichtet. Die hat er dann sofort an den Mitbewerber, mit dem er offenbar eng verbunden war, weitererzählt und gegen uns verwendet. Er hat Termine so gelegt, dass ich nicht daran teilnehmen konnte und mir anschließend Unzuverlässigkeit vorgeworfen. In Gesprächen mit seinen Gemeinderatsmitgliedern hat er uns schlechtgemacht und uns in einer Gemeinderatssitzung als „Laienspielschar“ bezeichnet. Wir mussten uns damit abfinden, dass der Konkurrent den Zuschlag erhielt. Wie gesagt, ich bin Unternehmer und nicht nachtragend. Ich verlasse mich auf mein Gedächtnis und arbeite erfahrungsbasiert. Dieser Begriff stammt aus der Pädagogik. Er besagt, dass jeder, der Entscheidungen zu treffen hat, auf seine Erfahrungen zurückgreifen sollte. Basiert, also gegründet, auf meine Erfahrungen mit dem Herren Bürgermeister kann ich nicht sicher sein, dass er mir bei nächster Gelegenheit nicht wieder in den Rücken fällt. Herr Minister, ich bitte Sie also, mir einen vertrauenswürdigeren Partner vorzuschlagen.“

Fazit: „Man trifft sich zweimal im Leben“ (Sprichwort)

Oder: Verzeihung ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, auf erlittenes Unrecht zu reagieren.

 

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Vorschaubild: vectors/trickbetrüger-gesicht-mann-listig-1293292/, Urheber: OpenClipart-Vectors auf Pixabay;neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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