In einer Gesprächsrunde wurde darüber diskutiert, worin der Sinn des Lebens bestehe. Eine Teilnehmerin erklärte: „Mein Vater hat immer gesagt, dass dessen Leben erfüllt sei, da er einen Sohn gezeugt, ein Haus gebaut und ein Buch geschrieben habe.“
„Das klingt heute nicht mehr zeitgemäß, enthält aber richtige Ansätze“, erwiderte der Gesprächsleiter. „Es geht um Zweierlei: die Weitergabe des Lebens, sowie die Schaffung materieller und geistiger Werte. Das mit dem Sohn sollten wir heute nicht mehr so ernst nehmen. Kinder und Enkel zu haben, gibt jedem Leben einen Sinn. Wer aber weder eigene Kinder noch Nachkommen hat, kann eine Erfüllung darin gewinnen, dass er sich für notleidende oder vernachlässigte Kinder und Jugendliche engagiert und ihnen eine Perspektive gibt.“
„Das hat auch mein Vater eingesehen“, erklärte die Teilnehmerin. „Er hat drei Mädchen bekommen und nach der dritten gesagt: ‚Der Wunsch nach dem Sohn ist der Vater vieler Töchter.‘ Im Alter hat er Geld für Kinderhilfswerke in aller Welt gespendet.“
„Mit seiner Feststellung hat er zum dritten Punkt unserer Sinnfrage beigetragen. Jede noch so kleine Weisheit, jeder Denkanstoß bringt uns weiter. Wir müssen und können Erfahrungen und Erkenntnisse nicht immer neu gewinnen. Wir zehren von Traditionen, Sitten und Bräuchen. Weisheiten entwickeln sich über Generationen. Jeder Beitrag dazu ist willkommen. Wäre das nicht so, würden wir heute noch glauben, dass die Sonne sich um die Erde dreht und die Erde eine Scheibe ist. Im Übrigen muss man kein ganzes Buch schreiben. Wie sehr würden wir uns freuen, wenn wir in alten Unterlagen auf ein Lieblingsgedicht stoßen würden, das unsere Urgroßmutter an ihren Geliebten geschrieben hat. Was aber den Bau des Hauses anbelangt, so geht es darum, Dinge neu zu schaffen, die Werte darstellen und längeren Bestand haben. Davon profitieren dann mehrere.“
Fazit: Es geht bei der Sinnfrage um das Umsetzen menschlicher Kreativität und Zuwendung.
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