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Horst Nalewski

Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Hörbeispiele sind über QR-Codes abrufbar.

Die vier Triebe

Die vier Triebe

Florian Russi

Ein Mädchen kam aus der Schule und sagte zu seiner Mutter: „Wir haben heue gelernt, dass alle Lebewesen von zwei Trieben bestimmt sind, dem Selbsterhaltungs- und dem Arterhaltungstrieb. Im Grunde dient ja die Selbsterhaltung auch der Arterhaltung. Das ist mir zu wenig. Lohnt es sich, dafür zu leben?“

„Es ist falsch, unser Leben auf zwei biologische Grundlagen zu reduzieren“, antwortete die Mutter. „Es geht, wie du auch an unserer Familie siehst, nicht nur darum, zu vegetieren. Ich möchte sagen, dass es vier Triebe sind, die unser Leben nicht alleine bestimmen, aber besonders auf uns einwirken. Da ist der Selbsterhaltungstrieb. Der aber heißt nicht, dass wir nur trockenes Brot essen und Wasser trinken. Wir haben eine Esskultur entwickelt, die uns zufrieden und glücklich macht. Den Arterhaltungstrieb würde ich in zwei Sparten aufteilen, die voneinander unabhängig sind. Da ist einmal der Geschlechtstrieb. Er ist nicht nur auf die Arterhaltung ausgerichtet. Er dient auch nicht nur der Fortpflanzung, sondern vor allem dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden. Unabhängig davon ist der Fürsorgetrieb. Fast allen Menschen ist es wichtig, ihre Kinder und Familienmitglieder zu umsorgen. Darüber hinaus helfen sie anderen in Not und machen sich Gedanken um das Wohlbefinden aller. Die Liebe, zu der wir fähig sind, dient nicht nur der Arterhaltung, sondern ist ein wesentlicher Moment persönlichen Glücks.

Als vierten Grundtrieb würde ich den Erkenntnistrieb bezeichnen. Wir wollen nicht nur vor uns hin leben, sondern uns und unsere Umwelt genauer verstehen. Wer ein Buch liest, tut dies nicht aus Selbst- oder Arterhaltungsgründen. Er will mehr und Neues wissen. Neugier, Verständnis, geistige Erfahrung, die Suche nach Wahrheiten und die Gespräche darüber treiben die meisten von uns jeden Tag aufs Neue an.“

Fazit: Um genau zu verstehen, darf man es nicht bei Vereinfachungen belassen.

Oder: Eines der menschlichen Grundwerke ist die Zivilisation.

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