Irgendwo in der Welt lebte eine Gemeinde von gläubigen Christen. Sie gingen regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst, hörten den Worten ihres Pfarrers zu, spendeten Geld für das kirchlich geführte Altenheim, schickten ihre Kinder in den kirchlichen Kindergarten, hielten Marienandachten ab, führten Grippenspiele auf und feierten die kirchlichen Feste.
Während in der Gemeinde ein friedliches Leben geführt wurde, traten anderswo in der Welt schlimme Ereignisse ein. Ein Nachbarland griff ein anderes militärisch an und mordete hunderttausende Soldaten und Zivilisten, Erwachsene und Kinder. In einem anderen Land wurden die Frauen entmündigt, weil diejenigen, die das Land beherrschten, Frauenverächter waren. In wieder einem anderen Land wurden Anhänger religiöser Minderheiten verfolgt, gedemütigt und getötet. Allgemein ließ sich feststellen, dass Ungerechtigkeiten und Unterdrückung in der Welt zunahmen und viele Menschen moralisch zu verrotten drohten.
Da meldete sich bei einer Versammlung in der kleinen Christengemeinde einer zu Wort und sagte: „Jesus, der Sohn Gottes und Gründer unserer Kirche, hat uns folgende Kernsätze gelehrt: Liebt eure Nächsten wie euch selbst und handelt in Frieden, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Was aber tut unsere Kirche? Sie verwalten sich selbst, ihr Geld, ihre Liegenschaften, ihre Reliquien und ihren Katechismus. Doch davon ist in den Evangelien an keiner Stelle die Rede. Warum schweigen die Christen zu den wichtigsten Anliegen Gottes? Als der Krieg ausbrach, hätten sie sich weltweit zusammenschließen und zu öffentlichen Gebeten aufrufen sollen. Das wäre bei entsprechender Beharrlichkeit nicht ohne Wirkung geblieben.“
Fazit: Wer wirklich glaubt, muss reden – und handeln.
Oder: „Wer schweigt, stimmt zu.“, heißt es im Volksmund.
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