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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


Die sorglose Maus

Die sorglose Maus

Florian Russi

Zwei befreundete Mäuse bezogen Quartier in der Scheune eines Bauernhofs. In den Feldern in der Nähe wuchsen Weizen, Gerste, Hirse und Mais. So konnten die beiden Mäuse es sich gut gehen lassen. In einer der Mauern der Scheune fanden sie ein Schlupfloch. Dort krochen sie hinein und richteten sich ein Nest. Dort verbrachten sie nun die folgenden Nächte in Sicherheit vor der Katze des Bauern. Die schlich sich immer wieder in die Scheune, nahm die Spur der Mäuse auf und versuchte, sie zu fangen. In das kleine Loch in der Mauer aber konnte sie ihnen nicht folgen.

Die eine Maus fühlte sich darin geborgen und sicher. Sie nutzte viel Zeit dazu, sich auf den Feldern in der Nähe herumzutreiben, sich den Bauch voll zu schlagen und anschließend in ihrem Mauseloch sorglos zu schlafen. Die andere aber war wegen der herumschleichenden Katze beunruhigt. Sie verbrachte viel Zeit damit, in der großen Scheune nach Schlupflöchern und Verstecken zu suchen. Sie nagte altes Holz an, bahnte sich Wege frei und baute sich verschiedene Nester. Dadurch kam sie oft nicht dazu, ordentlich zu fressen. Sie magerte ab und musste sich von ihrer Freundin viel Häme gefallen lassen. „Du mit deiner übertriebenen Vorsicht“, hielt sie ihr vor. „Uns geht es doch gut und in unserem Loch sind wir sicher.“

Die Katze aber hatte längst herausgefunden, wo sich das Loch in der Mauer befand. Sie überlegte lange, dann kam sie auf eine Idee. Als die beiden Mäuse wieder einmal die Scheune verlassen hatten, um in den Feldern nach Nahrung zu suchen, wälzte sie einen Stein vor das Mausloch und verschloss es. Dann lauerte sie den Mäusen auf. Als die schließlich in die Scheune zurückkehrten, sprang sie auf die beiden zu. Die zweite reagierte sehr schnell und flüchtete in einen ihrer neu geschaffenen Unterschlupfe. Der ersten aber wurde durch den Stein vor ihrem Loch die Flucht verstellt. Sie wurde von der Katze gefangen und vertilgt.

Fazit: Wer Sicherheit will, darf sich nicht auf einen einzigen Schutz beschränken
oder
In einigen Gegenden Deutschlands heißt es gegenüber unkreativen Menschen:
 „Du Maus, die nur ein Loch hat“.

 

* * *

Vorschaubild: pixabay

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