„Wir sind alle nur Menschen“, sagte die Nichte des Papstes zu ihrem Onkel. „Doch, wenn es um Gott, den Glauben und die Religion geht, müssen doch auch die göttlichen Regeln gelten. Im Alten Testament habe ich gelesen, dass Jakob, der Stammvater der Israeliten, also des ausgewählten Volkes, seine 12 Söhne nicht in ehelicher Gemeinschaft mit einer Frau gezeugt hat. Vielmehr war er mit 2 Frauen zugleich verheiratet. Mit der einen, Lea, die er nicht liebte, hatte er 6 Söhne. Von ihrer jüngeren Schwester, Rebekka, die er liebte, hatte er zwei Söhne und vier weitere von verschiedenen Mägden. Diese insgesamt 12 Söhne begründeten die Stämme Israels. Im sechsten Gebot des Moses aber heißt es: Du sollst nicht ehebrechen. Und das neunte lautet: Du Sollst nicht begehren deines Nächsten Weib. Wie soll ich das verstehen? Wieso hat die Geschichte des auserwählten Volkes mit einem solchen Tohuwabohu begonnen?“
„Die Gebote stammen zwar von Gott, doch das religiöse Leben war und ist menschlich“, antwortete der Papst. „Zur Zeit Jakobs herrschten andere Sitten als heute.“
„Dann muss es doch aber auch möglich sein, dass die heutige Kirche sich stärker an die liberalen Sitten der Jetztzeit anpasst“, erwiderte die Nichte.
Fazit: Auch in Fragen des Glaubens sollte man einen klaren Blick haben.
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