„Na, grübelst du schon wieder?“, fragte der Papst seine Nichte, als er sie gedankenverloren vor sich sah.
„Wenn ich bei dir zu Besuch bin, nutze ich immer deine Bibliothek und dabei stellen sich mir immer wieder neue Fragen“, antwortete die Nichte. „Die Kirche lehrt uns, dass Gott die Menschen liebt und deshalb seinen Sohn auf die Erde gesandt hat, um sie von ihrer Erbsünde zu erlösen. Dazu hat er ihn Mensch werden und von einer menschlichen Mutter gebären lassen. Diese hat er, so die Lehre der Kirche, von jeder Erbschuld befreit. Wenn es ihm aber möglich war, ein ganz normales Mädchen von der Erbsünde zu befreien, warum hat er es nicht mit allen Menschen getan, die er doch liebt? Warum hat er Adam und Eva überhaupt zur Sünde verführen lassen? Warum heißt es im Vater-Unser-Gebet ‚Und führe uns nicht in Versuchung‘? In der Bibel heißt es, dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hätten. Wie ist das zu verstehen? Wäre es besser gewesen, die Menschen wären dumm geblieben?“
Da runzelte der Papst seine Stirn und antwortete: „Sag mal, meine Liebe, glaubst du überhaupt noch?“
„Ja“, erwiderte die Nichte, „weil ich glauben will, weil ich Hoffnung habe und weil du mein Onkel bist.“
Fazit: Der menschliche Verstand verlangt nach Antworten auf all seine Fragen.
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