„Du willst von mir wissen, was mich in der Kirche und in der Bibel stutzig macht“, sagte die Nichte zu ihrem Onkel, dem Papst. „Ich bin über einen Bericht gestolpert, der sich in zwei Evangelien findet. Danach hatte Jesus, als er auf dem Weg nach Jerusalem war, Hunger und ging zu einem Feigenbaum. Als der keine Früchte trug – es war, wie es in einem der Evangelien heißt, nicht die Zeit dazu – verfluchte er den Feigenbaum, worauf dieser sofort verdorrte. Wie konnte der Gottessohn so etwas tun? Nur aus einem unberechtigten Ärger heraus hat er etwas Lebendiges vernichtet.“
„Er war Gott und auch Mensch. Insofern muss man verstehen, dass er auch einmal menschliche Reaktionen zeigte. Wir wissen von uns, dass wir auch öfter überreagieren, wenn wir über etwas enttäuscht sind. Der Vorfall war aus unserer Sicht bedauerlich, stellt aber Jesu` Botschaft nicht in Frage.“, erklärte der Papst.
„Auch, wenn er nur Mensch gewesen wäre, hätte ich sein Verhalten nicht gut geheißen“, beharrte die Nichte.
Fazit: Den Gläubigen wird vieles abverlangt.
Oder: In der Theologie spricht man vom „Sacrificium inellectus“, dem Opfer, das die Vernunft gegenüber dem Glauben hier und da erbringen muss.
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