„Ich lese gerade von der Inquisition und der Vernichtung der Katharer durch Papst und Kirche“, sagte die Nichte zu ihrem Onkel, dem Papst. „Wie konnte es dazu kommen, dass die Kirche zu so etwas fähig war? Jesus hat doch die Nächstenliebe zum obersten Gebot erklärt und Gewalt gegen Personen abgelehnt.“
„Damit hast du Recht“, erwiderte der Papst. „Doch du musst folgendes berücksichtigen: Die Kirche war zu dieser Zeit die wichtigste gesellschaftliche und politische Macht. Sie sah es als ihren göttlichen Auftrag an, alle Menschen zu ihrem Seelenheil zu führen. Es ging auch darum, sie vor ewiger Höllenpein zu bewahren. Natürlich sehen wir das heute anders. Doch die Katharer galten als schwere Sünder und Frevler. Die Kirche hat ihre Seelen retten wollen.“
„Die Ketzer wurden gefoltert, vergewaltigt und bei lebendigem Leib verbrannt. Das war auch zur damaligen Zeit nicht als Rettung ihrer Seelen zu verstehen. Die Inquisition war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Morde sind immer Verbrechen, unabhängig von der Zeit, in der sie begangen werden oder wurden.“
Fazit: „Der Zweck heiligt nicht die Mittel“ (Sprichwort)
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