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Sommerschnee

Berndt Seite

Hardcover, 124 S., 2020 erscheint demnächst; Bereits vorbestellbar

ISBN: 978-3-86397-134-2
Preis: 15,00 €

Sommerschnee – das sind die luftig-bauschigen Samenfasern der Pappelfrüchte, die sich im Sommer öffnen und die Welt mit ihrem weißen Flaum überziehen: Schnee in der wärmsten Jahreszeit. Mal melancholisch, mal mandelbitter, aber stets in größter Genauigkeit geht Berndt Seite auch in seinem neuen Lyrikband den Erscheinungsformen der Natur nach und lotet in ihnen die Bedingungen des Lebens aus.

Die Nichte des Papstes Teil 12

Die Nichte des Papstes Teil 12

Florian Russi

„Na, junge Frau, hast du weitere Verbesserungsvorschläge für die Kirche?“, frage der Papst seine junge Nichte.

„Wenn ich sie nicht hätte, wäre ich keine Christin“, antwortete die Nichte. „Ich lese viel in der Bibel und mache mir Gedanken über unseren Glauben. Ich habe gelesen, dass die Nächstenliebe das oberste Gebot ist, das Gott an die Menschen gerichtet hat. Als Nachfolgerin Jesu‘ muss es also der wichtigste Ansporn der Kirche sein, diese Worte jederzeit und überall vorzuleben und zu propagieren. Das gilt auch für die Sündenvergebung. Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: ‚Denen, denen sie vergeben werdet, denen sind sie vergeben.‘ Er hat dazu keine Bedingungen oder Mechanismen vorgegeben. Warum nutzt die Kirche nicht diese Riesenchance, wo es doch darum geht, möglichst vielen Menschen den Weg in den Himmel zu öffnen? Von der Hölle sagt Jesus: ‚Dort wird Heulen und Zähneklappern sein.‘ Das muss die Kirche doch veranlassen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um alle Menschen von ihren Sünden zu befreien. Warum hat die Kirche aber die Sündenbeichte eingeführt? Den meisten Menschen fällt es schwer, sich in einen Beichtstuhl zu begeben und einem Priester intime Dinge ihres Lebens anzuvertrauen. Für die meisten Menschen ist die Beichte keine Hilfe, sondern ein Herrschaftsinstrument. Es muss doch reichen, wenn sie für sich selbst ihr Gewissen überprüfen und beschließen, ein gottgefälliges Leben zu führen. Ich denke dabei auch an die Sexualmoral, welche die Kirche meiner Meinung nach viel enger auslegt als Jesus selbst das getan hat. Er hat nur den Ehebruch verurteilt, sich aber nicht über außereheliche Beziehungen, gleichgeschlechtliche Liebe oder Selbstbefriedigung geäußert. Auch in anderen Lebensfragen war Jesus toleranter als es die Kirche ist. Im Gleichnis vom anmaßenden Pharisäer hat er dem Zöllner verziehen, der Gott nur darum gebeten hat, ihm als armen Sünder gnädig zu sein.“

„Die Beichte soll dem Sünder helfen“, antwortete der Papst. „Für sie spricht auch, dass es keinen Fall gibt, dass ein Priester das Beichtgeheimnis gebrochen hat.“

„Da habe ich leider etwas Anderes gelesen“, antwortete die Nichte. „In den Bauernkriegen in Deutschland hat sich ein Bauer einem Priester anvertraut und seine Absicht gebeichtet, an einem geplanten Aufstand teilzunehmen. Der Priester hat dies an die Fürsten verraten, die sofort ein Heer aufgestellt haben. Ich bleibe dabei: Wer Sündern vergeben darf, muss menschenfreundlich sein.“

Fazit: Die Vollmachten, die Jesus seiner Kirche gegeben hat, sollten immer von seinem höchsten Gebot, der Nächstenliebe, getragen sein.

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