Deutschland-Lese

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Leben und Wirken des Schöngeistes und erfolgreichen Unternehmers im klassischen Weimar aufgezeigt und vorgestellt von Klaus-Werner Haupt.

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Die Helikoptermutter

Die Helikoptermutter

Florian Russi

„Meine Großeltern hatten noch sechs Kinder. Als eines davon starb, war das zutiefst traurig, aber es verblieben ihnen die fünf anderen. Mein einziges Kind ist Paul. Wenn ihm etwas zustoßen würde, wäre ich kinderlos“, sagte die Mutter. „All meine Liebe und Gedanken, all meine Sorgen drehen sich um ihn. Wie sollte es auch anders sein.“

Dem Jungen fehlte es an nichts. Sein Zimmer war gefüllt mit Spielzeug, und als er vier Jahre alt wurde, schenkten seine Eltern ihm ein kleines Fahrrad. Der Kleine liebte das Radeln sehr. Doch er musste seiner Mutter versprechen, dies nur in ihrer Anwesenheit zu tun. Schließlich war er noch viel zu jung, um alle Gefahren abzuschätzen, denen man beim Fahrradfahren ausgesetzt war. Auch bestand die Mutter darauf, dass er einen Helm aufsetzte und eine spezielle Schutzkleidung trug. Noch vor nicht allzu langer Zeit war ein Junge aus der Nachbarschaft von seinem Fahrrad gestürzt und hatte sich so an den Armen und am Knie verletzt, dass er in die Notstation des Krankenhauses gebracht werden musste.

Wieder einmal fuhr Paul vor seiner Mutter her. „Fahr langsam“, sagte sie, „und schau vor dich. Es kann einem immer etwas Unerwartetes entgegenkommen.“

Auch sie selbst hatte den Bürgersteig, auf dem der Kleine fuhr, genau im Blick. Doch als sie an der Front eines Hauses vorbeikamen, hantierte dort ein Bewohner im dritten Stock auf einem Balken mit seinen Blumentöpfen. Dabei rutschte ihm einer durch die Hände, fiel herab und traf die vorbeigehende Mutter auf den Kopf. Nun war sie es, die in die Notstation des Krankenhauses gebracht werden musste. Der Junge weinte bitterlich. „Ich hab doch nur die eine Mutter“, schluchzte er, als sein Vater ihn in seine Arme schloss.

Fazit: Die Welt ist voller Gefahren, doch deswegen sollte nicht Angst unser Leben bestimmen.

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