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Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Die Blutfehde

Die Blutfehde

Florian Russi

Zwei Gangsterbanden griffen nach der Macht in der Stadt. Die einen wurden die Gelben, die anderen die Blauen genannt. Sie verdienten viel Geld mit unerlaubtem Glücksspiel, mit sogenannten Schutzgeldern, Erpressung, Drogen- und Menschenhandel. Eine war so schlimm wie die andere, sie standen sich in ihren Verbrechen um Nichts nach. Jede von beiden wollte jedoch mächtiger und einflussreicher sein als die andere. Dabei kam es immer zu Auseinandersetzungen und Machtkämpfen zwischen den beiden. Wenn eine der anderen irgendwelchen Schaden zugefügt hatte, folgte kurz darauf die Rache der anderen.

Eines Tages kam es zu einer wilden Schießerei zwischen den Bandenmitgliedern, wobei zehn von den Blauen ihr Leben verloren. Da sagte einer der Gangster zu deren Boss: „So etwas kann nicht ungesühnt bleiben. Bei nächster Gelegenheit sollten wir den Gelben auflauern und so viele wie möglich von ihnen „abknallen“.

„Nein, Das werden wir nicht tun“, antwortete ihm da sein Boss. „Zu groß ist die Gefahr, dass wir im Kampf weitere von unseren Männern verlieren. Wir werden einen anderen Weg gehen.“

Sofort ließ er das Gerücht verbreiten, dass zwischen dem Chef der Gelben, den alle Capo nannten, und seinem Stellvertreter eine heimliche Rivalität ausgebrochen sei und die Geliebte des einen sich über die des anderen mit hässlichen Worten ausgelassen habe. Er ließ eine Journalistin den Capo anrufen und ihm Fragen darüber stellen, was an den Gerüchten dran sei. Dabei zitierte sie angeblich negative Äußerungen des Stellvertreters. Das wiederum provozierte den Capo dazu, seinen ‚Stellvertreter als Dummkopf und Versager zu bezeichnen. Diese Äußerungen nahm die Journalistin auf Tonband auf und spielte sie dem Stellvertreter zu. Der erkannte die Stimme seines Meisters wieder. Wutentbrannt machte er sich auf und begab sich zu einem Massagesalon, von dem er wusste, dass sich der Capo zu dieser Zeit darin aufhielt. Er zögerte nicht lange, zückte eine Pistole und erschoss seinen Chef. Dann verließ er den Salon und begann seine Anhänger um sich zu sammeln.

„Von jetzt an habe ich über die Gelben zu bestimmen“, sagte er und forderte alle auf, sich ihm zu unterwerfen.

Die Anhänger des alten Capo aber waren damit gar nicht einverstanden. So kam es unter den Gelben zu neuen Machtkämpfen und Schießereien. Es dauerte nicht lange, da hatten sie sich gegenseitig ausgeschaltet.

„Siehst du“, sagte da der Boss der Blauen zu seinem Kumpanen, „es ging auch, ohne dass wir unser eigenes Blut vergießen mussten“.

Fazit: Verbrecher sind keine edlen Menschen. Da sie selbst voller
Arglist sind, trauen sie auch niemandem anderen.

* * *

Vorschaubild: pixabay (bearb.)

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