Die Bewohner eines kleinen abgelegenen Dorfes lebten in großer Armut. Deshalb war die Freude groß, wenn in jedem Jahr ein Mann zu ihnen kam, den sie den „kleinen Krösus“ nannten. Seine Vorfahren stammten aus dem kleinen Dorf, waren ausgewandert und in einem fernen Land zu erheblichem Reichtum gelangt. Großzügig verteilte er bei seinen Besuchen Geschenke. Er unterstützte Witwen und Waisen, finanzierte die Ausbildung von Jugendlichen und spendete viel Geld für die Renovierung der Dorfkirche, für die Einrichtung eines Kinderspielplatzes und eine große Sportanlage. Das ganze Dorf profitierte von dem Mann und war ihm dankbar verbunden.
Eines Tages jedoch traten Polizisten vor ihn und sagten: „Wir müssen Sie verhaften. Sie haben das Vertrauen vieler jugendlicher ausgenutzt und sich an einigen von ihnen vergangen.“ „Was fällt Ihnen ein, so mit mir zu reden“, empörte sich der kleine Krösus. „War nicht ich es, der dem ganzen Dorf aus tiefster Not geholfen hat?“
„Es liegen drei Gegebenheiten nebeneinander“, antworteten die Polizisten. „Die Erste ist, dass Sie den Bewohnern des Dorfes viel Gutes getan haben, die Zweite, dass Sie deren Dankbarkeit für Ihre selbstsüchtigen Neigungen missbraucht haben. Die Dritte aber ist, dass wir Sie jetzt in Haft nehmen und einem Richter vorführen werden.“
Fazit: Manchmal liegen Gutes und Böses allzu eng beisammen.
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