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Die Erzählungen sind das Kaleidoskop eines Lebens: von der erinnerten Kindheit, die immer märchenhafte Züge trägt, über die verspielten Dinge der Jugend bis hin zu den harten Auseinandersetzungen im Erwachsenen-Dasein. Das Verschwinden von Glauben und Vertrauen, das Verzweifeln an der Welt, diese metaphorische Obdachlosigkeit (Safranski), sind Teil davon.

Der Tyrann und der Schamane

Der Tyrann und der Schamane

Florian Russi

Ein Tyrann herrschte grausam über sein Volk. Seine Gegner und alle, die er dafür hielt, ließ er gefangen nehmen und hinrichten. Auch Freunde verschonte er nicht, wenn er sich über sie geärgert hatte. Es ging das Gerücht, dass er viele von ihnen schlachten ließ, ihre Herzen, Lungen und Leber in einem Kühlschrank aufbewahrte und gelegentlich verspeiste. In einem Fall hieß es sogar, dass er den Phallus und die Hoden eines Gegners gebraten und gegessen hätte. Da er auf keinen wohlgemeinten Ratschlag mehr reagierte, baten seine Gefolgsleute einen angesehenen Schamanen, mit dem Tyrannen zu reden und auf ihn einzuwirken, damit er seine Verfolgungen zumindest zurückfahren sollte.

Drei Tage lang durfte der Schamane den Tyrannen begleiten und nutzte jede Gelegenheit, auf ihn einzureden und von seiner Mordlust abzubringen.

„Du bist der Größte, die Götter lieben und alle Bürger unseres Landes verehren dich“, sagte er. „Es gibt überhaupt keinen Grund, auch nur irgendwelche Menschen zu jagen und zu töten.“

„Du magst recht haben“, antwortete der Tyrann, „aber sie schmecken so gut.“

Fazit: Gegen Tyrannen helfen weder Vernunft noch gute Worte.

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