Deutschland-Lese

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Autor Christoph Werner lässt den Weimarer Unternehmer und Verleger Friedrich Justin Bertuch zurückblicken auf das eigene Leben.

Ein Tag im Leben des Friedrich Justin Bertuch

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Der Schwererziehbare

Der Schwererziehbare

Florian Russi

Er war ein sogenannter „Systemsprenger“, ein Junge, der das zuständige Jugendamt vor immer neue Probleme stellte. Er tyrannisierte seine Familie, vertrug sich nicht mit Gleichaltrigen, prügelte wahllos auf andere ein, beging Überfälle, stahl Autos und legte Brände. Außerdem vertrat er rassistische und rechtsextreme Ansichten und hatte einen radikalen Reinlichkeitstick. Für die üblichen Erziehungsmaßnahmen zeigte er sich nicht zugänglich. Im Amt war man verzweifelt. Man musste irgendetwas tun, um ihn wenigstens von schlimmsten Übeltaten abzuhalten. Man beriet sich und einer schlug vor, es mit Erlebnispädagogik zu versuchen. „Nur er allein mit einem kräftig gebauten Pädagogen zusammen für drei Monate in einem Segelboot auf dem Meer. Von einem ähnlichen Fall habe ich gelesen und es soll geholfen haben.“

Niemand wusste einen besseren Rat. Tatsächlich fand sich unter den Nachwuchsbeamten ein junger Sozialpädagoge, der gute Fachkenntnisse und sogar einen Segelschein hatte, darüber hinaus auch mutig und selbstsicher war. Die einzige Bedingung, die er stellte, war, dass sich an Bord des Segelbootes keine scharfen Gegenstände befinden durften.

Dem schwer Erziehbaren wurde die Maßnahme auferlegt. Im Grunde lockte ihn auch das Abenteuer. „Ich bestehe aber darauf, jeden Tag duschen zu können“, erklärte er. Man beschloss, dass das Boot sich nie zu weit von den Küsten entfernt halten und immer wieder an Land fahren und Wasser nachtanken sollte.

Der Junge und sein Erzieher gingen an Bord und hissten die Segel. Die geplante Tour begann. Ab und zu meldete sich der Erzieher über sein Handy. Zur Überraschung seiner Kollegen hatte er keine Beschwerden vorzutragen. Wie vereinbart, kehrten die beiden nach drei Monaten zurück. „Die Reise war ein Erfolg“, erklärte der Sozialpädagoge stolz. „Der Junge hat eingesehen, dass er mit Schlägereien nicht weiterkommt.“

Anschließend besuchte er seine Freundin, die so lange auf ihn hatte verzichten müssen. Voller Freude lud sie ihn in ein viel besuchtes Lokal ein. Doch er widersprach: „Ich finde es nicht gut, dass du in dieses Restaurant willst. Der Betreiber ist aus einem Land von Kanaken in unser zivilisiertes Land geflohen und ist selber ein Kanake. Er macht sich hier breit und nimmt unseren eigenen Landsleuten den Arbeitsplatz weg. Das bin ich nicht mehr bereit zu dulden. Außerdem liegt das Restaurant am Hauptmarkt. Dort bin ich vorhin vorbeigefahren und war entsetzt über dessen Zustand. Überall liegen Papiere, Zigarettenkippen oder Brotreste herum. Das kann ich nicht ertragen. Lieber bleibe ich daheim.“

Fazit: In der Psychotherapie heißt es: Je kränker der Patient ist, umso gesünder muss der Therapeut sein.

Oder: Im Zweifel gewinnt immer der mit der größeren Durchsetzungskraft.

Oder: Sag mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist. (Sprichwort)

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