Der Präsident eines Landes war ein extrem gestörter Narzisst. Vor seiner Wahl hatte er den Bürgern seines Landes das Blaue vom Himmel versprochen, nach seiner Wahl machte er nur noch große Sprüche und versagte auf der ganzen Linie. Der Wohlstand in seinem Land sank ab, in der Bevölkerung wuchsen gegenseitiger Streit und Hass, die Beziehungen zu den Nachbarländern trübten sich, ja, der Präsident überfiel ein anderes Land sogar mit Krieg, ohne vorher sein Parlament gefragt zu haben oder triftige Gründe dafür genannt zu haben. Daraufhin entstand im Volk ein wachsender Unmut und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten. Der aber kündigte eine große Pressekonferenz an, zu der er viele Flaggen hissen, eine Militäreskorte aufmarschieren und ein großes Blasorchester antreten ließ. Dann erklärte er: „Ihr alle wisst, dass ich der Größte auf der Erde und auch im Weltall bin. Eigentlich habt ihr mich gar nicht verdient. Doch ich habe mich überzeugen lassen, mein Amt weiter auszuüben. Gestern Nacht ist mir der Schöpfergott erschienen und hat mir gesagt: Du bist ein Pfundskerl und stehst auf einer Stufe mit mir. In deine Hände übergebe ich all meine Werke und ebenso die Welt und die Menschen. Was du tust und entscheidest, ist richtig. Du großartiger Kerl, mach weiter so.“
Nach diesem Auftritt des Präsidenten bekam man selbst in dessen Partei Bedenken. Man bat den Vorsitzenden der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde um ein psychiatrisches Gutachten. Der kam zu dem klaren Ergebnis, dass der Präsident hochgradig sowohl seelisch als auch geistig gestört sei. Im Parlament folgte man seinem Gutachten, setzte den Präsidenten ab und wies ihn in eine psychiatrische Klinik ein. Einige seiner früheren Anhänger sahen darin eine Chance und verklagten den Präsidenten vor Gericht auf Ersatz für den ihnen entstandenen Schaden. Dazu wurde auch der Vorsitzende der Gesundheitsbehörde herangezogen. Der erklärte: „Unser Präsident ist jetzt da, wo er hingehört, er scheint mir unheilbar krank. Vom medizinischen Standpunkt aus aber muss ich sagen, dass er für seine Krankheit nichts kann. Sie ist naturgegeben. Also trifft ihn auch juristisch keine Schuld für sein Handeln und demnach auch keine Schadensersatzpflicht. Schuld aber tragen diejenigen, die diesen Mann gewählt haben und stark haben werden lassen. Für halbwegs intelligente Menschen war längst klar, dass ein solcher Sprücheklopfer nie zum Präsidenten hätte gewählt werden dürfen.“
Fazit: Wer mitbestimmen will, muss auch Verantwortung übernehmen.
Oder Maßstäbe für richtiges politisches Handeln sind die Würde aller Menschen, Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und – Vernunft.
Oder: Das Wichtigste an der Demokratie ist, dass man einen ungeeigneten Herrscher friedlich wieder loswerden kann. (Karl Popper)
*****
Vorschaubild: https://pixabay.com/de/illustrations/spiegel-knien-surreal-narzissmus-5831297/; Urheber: Hello Cdd20 auf Pixabay.