Es war eine hitzige Diskussion und alle redeten durcheinander. Einer sagte: „Ich bin der Größte und werde auch unser Land zu seiner alten Größe zurückführen, zu Marterpfahl und Friedenspfeife.“
„Wir müssen wieder ein Volk werden, das mit einer Stimme spricht“, ergänzte ein anderer. „Einer redet und die anderen halten den Mund.“
„Wichtig ist, dass wir keine Flüchtlinge mehr ins Land lassen“, erklärte ein weiterer. „Es sind nicht die Besten, die zu uns kommen. So war es auch bei meinen Vorfahren, und das wirkt bis heute nach.“
„Schon wegen unserer Haustiere dürfen wir keine Flüchtlinge mehr ins Land lassen. Die fallen über sie her und verspeisen sie. Man könnte sie höchstens mal dafür einsetzen, um über unsere Rattenplage Herr zu werden.“, sagte ein weiterer.
Als fünfte meldete sich eine Frau zu Wort und erklärte: „Ich bin zwar lesbisch und mit einer Migrantin liiert. Doch zum Ausgleich fordere ich, dass alle anderen Menschen zum alten Familienbild zurückkehren und alle weiteren Migranten unser Land zu verlassen haben.“
„Ich will auch mal etwas sagen“, wandte eine weiterer ein. „An den vielen Unwettern tragen eindeutig nicht das Klima, sondern unsere politischen Gegner Schuld. Im Mittelalter hat man so etwas klar erkannt und als Hexerei verfolgt.“
„Ja, es geht um Erkenntnisse“, rief einer dazwischen. „Wirksamer als alle Impfstoffe gegen die herrschende Grippeepidemie ist die Einnahme von Spülmitteln. Ich habe es selbst probiert und wie ihr seht, le-le-lebe ich noch.“
Noch einer hatte etwas mitzuteilen: „Dass im letzten Krieg 70 Millionen Menschen ums Leben kamen, hat sich leider nicht vermeiden lassen. Ich habe das klar erkannt, nachdem mir ein Vogel gezielt auf den Kopf geschissen hatte.“
Da trat eine junge Dame im weißen Kittel hinzu und rief: „Bitte alle zurück auf eure Zimmer. Es ist Zeit für die Visiten.“
Fazit: Der Ort, an dem solche und ähnliche Feststellungen getroffen werden, ist unsere Welt.
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