(Eine wahre Geschichte)
Der große Krieg war vorbei und die Menschen litten Hunger und Not. So auch ein älterer Herr, Junggeselle, leutselig und gerne in Gesellschaft. In Friedenszeiten hatte er auch als Reiseleiter gearbeitet. So war er es gewohnt, mit vielen Menschen umzugehen und konnte vieles erzählen. Der Hunger plagte ihn sehr und da machte er sich Gedanken, wie er wenigstens ab und zu ein ausreichendes Mahl zu sich nehmen konnte. Er suchte die zahlreichen Kirchen der Stadt auf, in der er lebte. Dort studierte er die Aushänge, in denen die Termine für anstehende Trauungen angekündigt waren. Dann zog er seinen dunklen Anzug an und nahm an den kirchlichen Eheschließungen teil. Wenn ihm die anwesende Gesellschaft groß genug erschien, schloss er sich ihr an und folgte ihr in das Lokal, in dem das Hochzeitsfest gefeiert wurde. Er setzte sich unter die Gäste, unterhielt sie mit allerlei Geschichten und Schwänken und ließ sich das Festessen schmecken.
Am Abend, nachdem das junge Paar sich zu Bett begeben hatte, fand dann gedacht folgende Unterhaltung statt: „Liebling, du hattest mir nie erzählt, was für einen reizenden Onkel du hast. Den möchte ich bald einmal wiedersehen.“ – „Wieso? Ich dachte, der nette Herr wäre ein Onkel von dir“, war die Antwort.
Fazit: Freundlichkeit zählt oft mehr als Blutsbande.
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