Ein Grasmückenpärchen hatte sich mit vielen Mühen ein Nest gebaut. Das kam einer in der Nähe lebenden Kuckucksdame gerade recht. Sie flog zu dem Grasmückennest und legte ein eigenes Ei hinein. Ein solches Verhalten ist bekannt. Der Kuckuck erspart sich damit die Mühe, seine Kinder selbst aufzuziehen. So war es auch hier. Das Grasmückenfrauchen legte noch zwei eigene Eier dazu und brütete sie aus.
Als dann die Jungvögel den Eiern entschlüpften, war einer, nämlich der Kuckuck, größer als die beiden anderen. Er hatte auch den größten Appetit und sperrte seinen Schnabel am weitesten auf. Das verführte das Grasmückenpaar dazu, ihn bevorzugt mit Futter zu bedienen. In der Regel endet das so, dass die kleineren und schwächeren Nachkömmlinge vom jungen Kuckuck verdrängt und schließlich aus dem Nest geschmissen werden. Das drohte auch unseren beiden kleinen Grasmücken.
Eines Tages flog ein Falke über das Nest. Da rief das eine Grasmückenkind dem anderen zu: „Der ist gefährlich! Duck dich nieder, damit er uns nicht sieht.“
Doch das Geschwisterchen tat genau das Gegenteil. Soweit es nur konnte, plusterte es sich auf und machte auf sich aufmerksam. Die scharfen Augen des Falken sahen es. Sofort stürzte er sich auf das Nest und griff nach dem Küken, das ihm die üppigste Mahlzeit bot, nämlich dem Kuckuck. Die ausgemergelten Grasmücken verschmähte er.
Fazit: Manche Schwächen lassen sich durch Klugheit ausgleichen.
Oder: Beim Kampf ums Überleben gilt nicht immer das Recht des Stärkeren.
Oder: Den Opfern hinterhältiger Strategien hilft oft die eigene List.
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