Goldschakale sind Tiere, die dem Wolf sehr ähnlich sehen und wie er von der Jagd auf andere Tiere leben. Eines Tages tauchte ein solcher Schakal auf einer nahe dem Festland gelegenen Insel auf. Ein Wanderer hatte ihn als erster entdeckt und dies dem zuständigen Forst- und Landschaftsamt gemeldet. „Was machen wir nur mit dem Tier?“, fragte ein Beamter den zuständigen Förster. „Goldschakale stehen unter Naturschutz“, antwortete der. „Lass uns ihn zunächst einmal beobachten und protokollieren, was er tut und welche Kreise er zieht.“
Einen Tag später meldete ein Bauer, dass der Schakal ein Tier aus seiner Schafsherde überfallen und gerissen hatte. „Ihr müsst ihn sofort erschießen“, forderte der Bauer.
„Das Schaf werden wir dir ersetzen“, erklärte der Förster. „Jetzt hat der Goldschakal erst einmal genug zu fressen.“
„Auch Schafe haben Gefühle, und ich möchte mich nicht hineindenken in das arme Tier, das die Qualen erleiden musste, als der Schakal über es hergefallen ist“, meinte der anwesende Beamte.
„So ist eben die Natur“, erwiderte der Förster.
Es dauerte ein paar Tage, dann herrschte große Aufregung auf der Insel. Diesmal hatte der Schakal die ganze Herde des Bauern überfallen und im Blutrausch alle Schaffe massakriert oder schwer verletzt. Überall wurde nun nach dem Goldschakal gesucht, aber das grausame Tier hatte sich klammheimlich von der Insel verzogen.
Fazit: Grausamkeiten müssen rechtzeitig bekämpft und gestoppt werden.
Oder: Auch viele Tyrannen fangen klein an und fallen dann in einen Blutrausch.
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Vorschaubild: Histoire naturelle des mammifères, t. 2 (1824) Canis aureus, Urheber: Geoffroy Saint-Hilaire, Etienn; Cuvier, Frédéric via Wikimedia Commons Gemeinfrei.