In einem Land lebten zwei reiche Männer, die sich für ihre Arbeit auf den Feldern und Werkshallen mehrere Sklaven hielten. Die Sklaven mussten unentwegt schuften. Deshalb taten sie einem Nachbarn der beiden leid. Er sagte daher zu den beiden Reichen: „Hört endlich auf damit, Sklaven zu halten. Ihr müsst doch wissen, dass unser großer Prophet die Sklavenhaltung als schwere Sünde verurteilt hat. Darauf steht die Strafe der Hölle.“
Da wurden die beiden Reichen unsicher. Sie beschlossen, einen berühmten Glaubensgelehrten aufzusuchen, ihm als Zeichen ihrer Glaubenstreue eine Opfergabe zu überbringen und ihn in der Sklavenfrage um sein Urteil zu bitten. So taten sie es.
Nachdem sie vor den Gelehrten getreten waren und ihm ihr Anliegen vorgetragen hatten, runzelte dieser seine Stirn, hob seinen Kopf in die Höhe, verfiel in tiefes Nachdenken und sagte schließlich mit erhobener Stimme: „In der Tat hat der hochheilige und gepriesene Begründer unserer Religion gesagt, dass es uns nicht erlaubt sei, Sklaven zu halten. Doch als er dies sagte, so bezeugen uns mehrere Schriftgelehrte, ging hinter ihm gerade die Sonne unter. Das aber bedeutet, das von ihm ausgesprochene Verbot gilt nur für die Zeit des Sonnenuntergangs, also die frühen Abendstunden. Davor und danach ist es euch also gestattet, weiterhin Sklaven zu halten. In der Zwischenzeit könnt ihr sie in unserem Glauben unterweisen.
Fazit: Für jede Unverschämtheit findet sich eine Rechtfertigung.
Oder: Wenn der Glaube im Weg steht, wird er gebeugt.