Eine große Organisation führte immer wieder wichtige Begegnungen und Versammlungen durch. Einer, den alle den „Eitlen“ nannten, wurde beauftragt, einen Kongress zu organisieren, bei dem es um bedeutende Zukunftsfragen ging. Es gelang ihm, herausragende Fachleute als Referenten zu gewinnen. Die Erwartungen waren groß. Die Zahl der Teilnehmer auch. Der Eitle eröffnete und leitete den Kongress. Er begann damit, sich und sein Engagement in höchsten Tönen zu loben. Nach jedem Referat fügte er eigene, lange Beiträge hinzu und stellte sich als großen Wissenden und Organisator dar.
„Seine Eitelkeit ist ja unerträglich“, stöhnten drei seiner Kollegen. „Wie kann man sich nur so wichtig nehmen? Bei einem Kongress geht es um Inhalte und die, welche ihn organisiert haben, müssen sich bescheiden zurückhalten.“ Die drei beschlossen, den nächsten Kongress gemeinsam zu organisieren und dabei auf jede eigene Eitelkeit zu verzichten. „Lasst uns die Aufgaben aufteilen“, sagten sie und beschlossen, dass der erste für den Tagungsort, der zweite für die Gewinnung der Referenten und der dritte für die Werbung von Teilnehmern verantwortlich sein sollte.
Der angepeilte Termin für den neuen Kongress rückte immer näher, und so trafen sich die drei ein paar Monate später, um den Kongress konkret vorzubereiten. „Es ist leider nicht einfach, einen geeigneten Tagungsort für eine so große Veranstaltung, wie wir sie planen, zu finden“, sagte der Erste. „Ich habe Dutzende Hotels angeschrieben, aber nur Absagen bekommen. Entweder es passte ihnen der Termin nicht oder sie waren im Umbau begriffen oder aber es fehlte ihnen an Personal.“
Der Zweite erklärte: „Ähnlich geht es mir mit den Referenten. Entweder haben sie schon andere Verpflichtungen oder sie sind im Urlaub oder sie stellen Honorarforderungen, die wir nicht stemmen können.“
Der dritte fügte hinzu: „Ich kann natürlich erst einladen, wenn ich den Tagungsort und das genaue Programm kenne. Selbst, wenn es uns noch gelingen sollte, beides hinzubekommen, wird die Ladefrist zu kurz sein. Ich glaube, wir tun gut daran, wenn wir den Kongress absagen.“
Fazit: Erfolg ist selten mit Bescheidenheit gepaart.
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