Gegen viele Widerstände war ein Löwe zum König der Tiere gewählt worden. Seine Gegner hatten ihm Lügen, Rechtsverstöße und Größenwahn vorgeworfen. Er aber hatte sich dadurch nicht beirren lassen und fast allen Tieren das Blaue vom Himmel versprochen.
Nur die Hyänen hatte er verunglimpft und den Straußen und den Giraffen gedroht, sie aus der Savanne zu vertreiben. Sein forsches Auftreten gefiel den meisten Tieren. „Wir brauchen jemanden, der sich was traut und der uns klar führt.“, sagten sie sich.
Nun war er im Amt, ließ sich von seinen Freunden feiern und besuchte anschließend einen alten Löwen, der einige Jahre vor ihm König der Tiere gewesen war und sich dabei hohe Achtung erworben hatte.
Der junge Löwe sagte nun zum alten: „Ich werde ein strenges Regiment führen, so wie ich es angekündigt habe. Zunächst habe ich vor, alle meine Gegner zu beseitigen. Ich will, dass unser Land wieder groß und stark wird. Das geht nur auf dem Wege einer Revolution. Revolutionen haben es immer an sich, einen gewissen Blutzoll zu fordern. Den werden meine Gegner erbringen müssen.“
Da antwortete ihm der Alte: „Deine Gegner zu verfolgen und umzubringen bedeutet Terror und Verbrechen. Wenn du die bisherigen Verhältnisse nicht leiden magst und Tiere töten willst, solltest du den Schaden möglichst klein halten. Deshalb mache ich dir einen Vorschlag: Laufe auf den nächsten Berg, suche nach einem hohen Felsen. Dort steige hinauf und stürze dich in die Tiefe. Dann muss nur ein Tier sterben und du wirst dich garantiert nicht mehr über die Situation in unserem Land ärgern müssen.
Fazit: Wenn in einer Tyrannei schon unbedingt Lebewesen sterben müssen, empfiehlt es sich, mit dem Tyrannen selbst zu beginnen.
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