Bei einem philosophischen Kongress ging es um das Thema Begrifflichkeiten. Einer der bedeutendsten Denker seiner Zeit, den alle den „Großen“ nannten, hielt das Hauptreferat und hatte die Leitung der Tagung inne. Es ging um das Sein und das Nichts, das Geworfensein, das Gestell, die Möglichkeit, das Krugen des Krugs, Identität, Existenz, Ganzheit, Weltgeist und vieles anderes. Nach zwei Tagen eifriger Diskussion eröffnete der „Große“ die Dispute mit der Feststellung, dass es dringend sei, das Explikationsphänomen zu durchleuchten. Dann entschuldigte er sich, dass er wegen einer plötzlich aufgetretenen Erkrankung die Tagung verlassen müsse, ihr aber beste Ergebnisse wünsche. Dann fuhr er nach Hause zu seiner Frau.
„Warum bist du schon hier?“, frage die ihn erstaunt. „Du bist doch gesund und das Thema hat dich doch sehr interessiert.“
„So ist es“, erwiderte er. „Doch mir ging es darum, viel verwendete Begriffe auf ihre Inhaltlichkeit zu überprüfen. Meine Kollegen haben ihre Beiträge aber nur zur Selbstdarstellung genutzt und sich an den Begriffen hochgerankt. Deshalb habe ich sie mit dem Begriff „Explikationsphänomen“ konfrontiert.“
„Was bedeutet er?“, fragte sie.
„Das weiß ich auch nicht“, erwiderte er. „Er ist mir morgens beim Zähneputzen eingefallen. Wie ich über mein Handy erfahren habe, diskutieren meine Kollegen ganz vertieft darüber, was ich mir bei dem Begriff gedacht haben könnte.
Fazit: Das Wort „Begriff“ kommt von „begreifen“. Es muss sich also um etwas handeln, was man erfahren und in Griff nehmen kann.
Oder: Begriffe sind kein Selbstzweck.
Oder: „Der Beginn der Weisheit ist die Definition der Begriffe“ (Sokrates)
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