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Zu Gast in Weimar

George Eliot; deutsche Übersetzung: Nadine Erler

Zu den vielen Künstlern, die es nach Weimar zog, gehörte auch die englische Schriftstellerin George Eliot. Im Sommer 1854 verbrachte sie drei Monate im kleinen, doch weltberühmten Städtchen an der Ilm. George Eliots schriftlich festgehaltenen Eindrücke sind äußerst amüsant. Dieser Blick einer Fremden lässt Weimar in anderem Licht erschienen.

Broschüre, 40 Seiten, 2019

 

Das Duell

Das Duell

Florian Russi

Sie waren beide sehr stolze Männer und auch sehr treffsichere Schützen. Sie achteten sich bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich in dieselbe Frau verliebten. Jetzt nagte in ihnen nur noch eine unbändige Eifersucht. Gegenseitig forderten sie sich zum Duell.

Sie legten großen Wert auf ihre Ehre. Das Ganze fand zu einer Zeit statt, in der Duelle zwar nicht erlaubt waren, in bestimmten Kreisen aber geduldet wurden. Die beiden einigten sich darauf, mit Pistolen aufeinander zu schießen. In jeder Pistole durfte sich aber nur eine Patrone befinden. Das Duell sollte an einem abgelegenen Ort und im ersten Tageslicht stattfinden. Beide durften je zwei Adjutanten mitbringen, und ein Bekannter, auf den sie sich geeinigt hatten, sollte Schiedsrichter sein und das Kommando zum Schusswechsel geben. Alles wurde in allen Einzelheiten vorbereitet und vorbesprochen.

Schließlich kam der entscheidende Tag. Alle Beteiligten erschienen aufgeregt am vereinbarten Ort. Der Schiedsrichter kontrollierte die Pistolen der beiden, dann schritt er eine Wegstrecke von 120 Metern ab und positionierte die Duellanten und ihre Adjutanten an festen Orten. Daraufhin stellte er sich selbst in Position, um das Zeichen für den Schusswechsel zu geben.

Ehe er dazu kam, drückte einer der Duellanten seine Pistole ab und erschoss seinen Kontrahenten. Da schrien alle auf und begannen zu klagen. „Ich hatte den Schuss doch noch nicht freigegeben“, beschwerte sich der Schiedsrichter und die Adjutanten des Getöteten drohten, den Schützen vor Gericht zu stellen. „Das solltet ihr lieber bleiben lassen“, erklärte da der Schiedsrichter. „Es ist geschehen und lässt sich nicht rückgängig machen. Wenn ihr aber vor Gericht geht, werden wir alle belangt. Das Duellieren ist nämlich gesetzlich verboten. Es war eine rein persönliche Angelegenheit und deshalb auch vom privaten Verhalten der Beteiligten bestimmt. Regeln machen nur Sinn, wenn sich alle daran halten.“

Fazit: Der Schnellere ist meistens im Vorteil.

Oder: Wenn Unerlaubtes getan wird, spielen Regeln keine bestimmende Rolle.

 

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Vorschaubild: 

vectors/cowboy-hut-lächeln-kerle-western-33933/, Urheber: Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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