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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Die Gazelle und die Eule

Die Gazelle und die Eule

Deutsche Internationale Schule Sharjah

Eine verunsicherte und ängstliche Gazelle floh aus ihrer alten Heimat – nicht nur, weil sie wegen ihrer unnatürlichen weißen Fellfarbe ausgegrenzt wurde, sondern auch wegen der vielen Konflikte. Anstatt friedlich zusammenzuleben, bekriegten sich die Tiere in ihrem Land und lebten tagtäglich in Angst und Schrecken. Während ihrer Reise wurde die Gazelle wegen ihres andersartigen Aussehens ständig schief angeschaut oder sogar beschimpft. Aber sie ließ sich nicht unterkriegen und wanderte immer weiter.

Eines Tages fand sie allerdings einen Ort, wo sie aufgenommen wurde. Dennoch stoppten selbst hier nicht das Geflüster oder die misstrauischen Blicke. Eines Tages bemerkte sie eine Eule, die sie immer wieder verfolgte. Wo auch immer die Gazelle sich aufhielt, war auch die Eule. Jedes Mal ging die Gazelle schneller, da sie dachte, dass auch die Eule sie nur wieder beschimpfen wolle. Selbst als die Eule an einem Tag ihren Schnabel aufmachte und nur freundlich »Hallo!« rief, beschleunigte die Gazelle ihre Schritte.

Mit der Zeit fühlte sie, dass das Geläster und die Gerüchte über sie immer mehr und mehr wurden. Traurig beschloss die Gazelle wieder einmal, weiterzuziehen.

Am frühen Morgen ihres Aufbruchs flatterte jedoch plötzlich die Eule herbei. Aus dem Augenwinkel erkannte die Gazelle, dass es dieselbe Eule war, die ihr schon seit Beginn ihrer Ankunft immer wieder folgte. Mit einem schiefgelegtem Kopf betrachtete die Eule neugierig die Gazelle: »Wo willst du hin? Warum lässt du dich von den anderen vertreiben?« Traurig senkte die Gazelle den Kopf und erwiderte: »Alle reden schlecht über mich, was soll ich hier denn noch?« Aus klugen Augen sah die Eule die Gazelle eindringlich an und sagte: »Ignoriere doch einfach das, was aus deren Mäulern kommt! Ich mache dir einen Vorschlag: Zieh zu mir! Mir ist es egal, wie du aussiehst, und du scheinst einen guten Charakter zu haben. Also, was sagst du dazu?«

Überrascht überlegte die Gazelle einen Moment und stimmte dann mit freudigem Herzen zu. Somit war es besiegelt. Die Gazelle zog zu der Eule und ignorierte zukünftig die Kommentare der anderen Tiere.


Der Charakter ist wichtiger als Äußerlichkeiten.

Oder:

Das Andersartige muss nicht schlecht sein.

Lilly Heilmann, Klasse 9, Sharjah



*****

Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S.30f.

Bildquelle:

Vorschaubild: Entnommen aus. Fabula Madrasa: Lilly Heilmann, Klasse 9, Sharjah.

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