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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Der Falkenkönig und der Skorpion

Der Falkenkönig und der Skorpion

Deutsche Internationale Schule Abu Dhabi

In einem großen Palast lebte ein Falkenkönig. Er war zu jedem sehr nett und half allen Tieren, die Hilfe brauchten. Manchmal gab er ihnen sogar Gold und Diamanten, was kein anderer König tat, und er bestrafte jeden, der seinem Volk etwas Schlechtes wollte.

Der König hatte viele Diener, die er auch immer gut und wie sein eigen Fleisch und Blut behandelte. Sogar ihnen gab er sehr viele Freiheiten. Eines Tag starb sein treuester und langjähriger Knecht, das Kamel. Jetzt musste der König eine Entscheidung treffen. Der König dachte nach, wie er seinen langjährigen Diener ersetzen könnte. Nach einiger Zeit des Grübelns hatte er eine Idee: Zwei scheinbar echte Diamanten wollte er nebeneinanderlegen, von denen der eine wirklich echt, aber etwas kleiner war, und der größere gefälscht sein würde. ›Das Tier, das meinen treuen Diener ersetzen möchte und diesen verantwortungsvollen Job übernehmen will, muss vorab den richtigen Diamanten auswählen und sich somit beweisen.‹

Viele Tiere kamen zum König und versuchten sich an dem Rätsel, aber allesamt wählten sie aus Gier den großen und somit den falschen Diamanten aus. Als der Falkenkönig erkannte, dass niemand den Platz für seinen treuen Diener einnehmen konnte, war er verzweifelt. Aber dann, nach langer Zeit, kamen endlich zwei neue, willige Kandidaten: eine Schlange und ein Skorpion, die ihr Glück versuchen wollten.

Die Schlange war sehr gemein und hinterlistig. Ihr Plan war es, nur über den Palast und das Land zu herrschen. Die List der Schlange war, die Tiere zu hyponotiesieren und dann den König zu töten. Aber auch die Schlange wählte aus Gier den falschen Diamanten. Nun kam der Skorpion, möglicherweise seine letzte Rettung.

Der Skorpion war ein edles, intelligentes und aufrichtiges Tier. Er schaffte es tatsächlich, den richtigen Diamanten auszuwählen. Der Skorpion war sehr stolz und froh. Er wollte sogleich seine Aufgabe antreten, aber vorab wollte ein jeder im Lande wissen, wie er es denn geschafft hatte, dieses Rätsel zu lösen und nicht der Gier zu verfallen. Der Skorpion antwortete: »Das war doch ein Leichtes für mich.« Er hielt beide Diamanten in die Sonne und sagte: »Der echte Diamant bleibt auch in der Sonne kalt und das gefälschte Stück wird von den Strahlen heiß.«

Klugheit bringt einen im Leben weiter als Gier.

Rahim Ali, Klasse 7, Abu Dhabi



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Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S.38f.

Bildquelle:

Vorschaubild: Entnommen aus. Fabula Madrasa: Rahim Ali, Klasse 7, Abu Dhabi.

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