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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Rosenthal, Hans

Rosenthal, Hans

„Es war kurz nach Kriegsende - im Mai 1945. Ich hatte gehört, der Berliner Rundfunk macht wieder auf und ging hin. Vor dem Gebäude in der Masurenallee stand ein russischer Soldat: ‚Was Du wollen?‘ ‚Raboti - raboti." So ähnlich beschrieb Hans Rosenthal seinen ersten Kontakt zum Rundfunk in seinem Buch „Zwei Leben in Deutschland" Der Soldat nickte, öffnete die Tür und Hans Rosenthal war dort, wo er unbedingt hin wollte. Zwar „nur" in der Materialausgabe, aber doch beim Rundfunk!
„Ich hatte mir Radio ein wenig anders vorgestellt", klagte Hans kurze Zeit später seinem Chef. „Also gut ich stecke Sie in den Zeitfunk als Mädchen für alles!" Und dann kam Hans der Zufall zu Hilfe: Es sollte das erste Hörspiel gemacht werden -Nathan der Weise. Die 144 Seiten Manuskript - fertig bearbeitet mit sämtlichen Strichen und Markierungen vom Regisseur Hannes Küppers- lagen vor. Allerdings nur einmal. Sechzehn Exemplare hätte man gebraucht. Es gab noch keine Vervielfältigungsmaschine und am nächsten Morgen war der Studiotermin. Überhaupt nicht zu schaffen - die Produktion sollte abgesagt werden. Hans hörte davon und ging zum Regisseur: „ich mach‘ Ihnen das - in drei Stunden ist alles fertig.‘ - „Ich weiß zwar nicht, wie Sie das anstellen wollen - aber gut - nachher kann ich den Termin immer noch absagen."
Hans schnappte sich das Manuskript ging von Büro zu Büro, von Schreibkraft zu Schreibkraft: „Wären Sie so nett und würden dies für mich abtippen - 2 mal 7 Durchschläge ... Es müsste aber sofort sein ..." So verteilte er das Manuskript Seitenweise, sammelte es später wieder ein, und nach drei Stunden lagen alle 16 Manuskripte auf dem Schreibtisch des Regisseurs. Am nächsten Morgen begann pünktlich die Produktion. Mit Hans Rosenthal als Regieassistent.
Vor ein am RIAS-Mikro saß Hans zum ersten Mai bei „Mach mit": „Ich durfte die An- und Absage sprechen. 1946 hatte ich im Berliner Rundfunk eine Prüfung absolviert und war seitdem stolzer Besitzer eines Sprecherausweises ‚Für kleinste Aufgaben geeignet‘. Ohne den durfte man gar nicht ans Mikrofon." Für „Mach mit" konnte Hans auch. eigene Ideen liefern. Die Serie war sehr beliebt. In einer Zeit, in der es von allem sehr wenig gab, bekamen die Sieger Torten, Fresskörbe etc. Hans machte den Vorschlag, die Preise von Mannequins - nach jeder Runde in neuen Kleidern - überreichen zu lassen. Für das Publikum im Saal eine Augenweide und willkommene Abwechslung zwischen den Quiz-Runden, für die Hörer zuhause quasi eine verkappte Modenschau im Hörfunk. Und für ein Berliner Modehaus eine kostenlose Werbung.
Bei „Günter Neumann und seine Insulaner" war Hans von Anfang an dabei. Die erste Sendung im Dezember 1948 war im Grunde nur als Reklame gedacht für die Zeitschrift ‚Der Insulaner". Die lief leider nicht so, wie sie sollte. Ergebnis: Die Zeitschrift ging ein, die Rundfunksendung hatte über 150 Folgen. Es wurde eine der wohl erfolgreichsten Sendereihen der 50er Jahre. Bei den „Insulanern" war Hans viele Jahre Aufnahmeleiter.
Hans Rosenthal kämpfte seinen täglichen Kampf gegen die Uhr. Er hatte es immer eilig: „Obwohl ich bereits Regie führte, Sendungen leitete und moderierte, die Aufnahmeleitung für diese Reihe wollte ich keinesfalls abgeben." Trotzdem - er verstand es meisterhaft, einem Gesprächspartner zu vermitteln, gerade für Ihn hätte er alle Zelt der Welt.
Hans sparte woanders. Vielleicht mit ein Grund, weshalb sämtliche Sendungen Kürzel bekamen, die seine Mannschaft aus dem FF beherrschte: SMS - „Spaß muss sein", AGA - „Allein gegen alle", FRAMS - „Frag mich was", KS „Klingendes Sonntagsrätsel", WER FRÄCHT „Wer fragt - gewinnt", und DIMS - „Da Ist man sprachlos". Alles musste immer dalli dalli gehen - obwohl - das war noch nicht erfunden.
Hans war immer ein besessener Arbeiter. Und - er wollte immer Qualität. Gut oder mittelmäßig gab es für ihn nicht. Es musste immer sehr gut sein oder hervorragend. Das war nur möglich mit einem eingespielten, auf ihn persönlich eingeschworenen Team. Man war nicht beim RIAS angestellt, sondern bei ihm. So kam es einem oft vor. „Wenn da was nicht klappt, ich reiße dir persönlich den Kopf ab ..." Ich höre ihn noch heute. Lange Jahre habe ich mit Hans arg zusammen gearbeitet, ihm auch zugearbeitet und vieles von dem, was ich gelernt habe, habe ich von ihm gelernt: „Deine Arbeit muss Dir Spaß machen - nur dann wird sie gut."
1969 überredete mich Hans Rosenthal snft, aber unerbittlich,mein Studium an den Nagel zu hängen und bei ihm in der RIAS-Unterhaltung zu arbeiten. Eine Festanstellung erschien mir zunächst als ein so grauenhafter Gedanke, dass wir uns auf „freie Mitarbeit" einigten - als Aufnahmeleiter, Autor, Sprecher, Regie und was sonst bei Gaukiern sonst noch so alles anfällt. Hemmungslos geklaut habe ich sein Motto: „Ich will nicht wissen, wie es nicht geht."
Mitte der 60er Jahre hatte der NDR das Konzept für eine Sendung gekauft. Ein in Frankreich erfundenes Spiel. Hans schaute sich das Exposé an, schrieb es um, änderte, schrieb es noch mal um und änderte noch mal. Dann stand die Sendereihe. Sie sollte fünfzehn Jahre lang der absolute Radiorenner sein im deutschen Unterhaltungsprogramm: „Allein gegen Alle". Fast sämtliche ARD-Stationen haben sich daran beteiligt. 161 Live- Sendungen von jeweils fast zwei Stunden, ohne eine einzige Panne. In kürzester Zeit die bestmögliche Qualität abzuliefern - das schüttelt man nicht aus dem Ärmel. Recherche, Präzision und Sorgfalt auch in der kleinsten Kleinigkeit. „Es kann immer noch genug schief gehen", war einer von Hans‘ Standardsätzen. „Bereite bitte alles vor, was vorzubereiten ist." Ich musste mir angewöhnen, für alles und jedes Checklisten anzulegen und wenn ich dann mit meinen Listen ankam, fand er blitzschnell und zielsicher die zwei Punkte, die noch fehlten.
Hans war fast immer versöhnlich, er ging nie auf die Barrikaden. Außer, wenn was nicht klappte. Ich kann mich da gut an einige Fälle erinnern. Dann war es natürlich kein Ärger - auch wenn einige Tränen flossen - dann war es eine „berufsfördernde Maßnahme", wie er es nannte. Und wenn Gras darüber gewachsen war, vertrug man sich wieder und war wieder etwas klüger. Allergisch allerdings reagierte Hans, wenn er hörte: Da geschieht irgendwo Unrecht. Egal, wem! Auch außerhalb seiner Abteilung. Eine Sekretärin irgendwo im Haus, die Schwierigkeiten hatte, ein Kollege im Fernschreiber, der Probleme bekam - Hans schaltete sich umgehend ein und legte sich an - mit wem auch immer. Egal ob Direktor oder Intendant - Hans klärte. Er hatte etwas, das man heute leider fast nur noch in Antiquitätenläden findet - Zivilcourage.
Beeindruckend war Hans Rosenthals Zeitmanagement: Wir hatten eine Produktion. Kaum war der letzte Satz auf Band, ungecuttet, ungemischt, da schoss Hans aus dem Studio, stürzte zu seinem Mantel, schnappte sich die Aktentasche und sagte: „Ich muss lost" Ich war entsetzt und stand mit meinen Zetteln hilflos im Regieraum. Wir mussten die nächsten zwei Sendungen besprechen, inklusive sämtlicher Musiken. Aufnehme war drei Tage später. Ich raste also hinterher, die Listen in der Hand und er brachte es tatsächlich fertig, mich mitzuschleppen in sämtliche Büros, in die er noch musste. Programmdirektion, lntendanz und noch sonst wo hin - Ich weiß es nicht mehr. Während der Kurzbesprechungen, die er im Telegrammstil führte, war ich still und ergänzte meine Notizen nach den Angaben, die er mir, während wir über die Flure hetzten, gemacht hatte. Nach dem dritten Büro - ich war mit den Nerven völlig parterre - sagte Hans, natürlich die Ruhe selbst: „Komm jetzt mit runter, mein Junge. Wir können noch vor‘m Haus reden, während ich auf mein Taxi warte."
Unten flogen mir fast die Zettel weg, ich schrieb aber krampfhaft weiter. Sein Wagen kam, ich geriet in Panik - es war noch etliches zu klären - aber er stieg ein. Und jetzt ein typischer Hans: „Wir sind ja so gut wie fertig. Solltest du wirklich noch Fragen haben, ruf mich in vier Stunden in München an. Aber pünktlich um 19:00 Uhr. Ab 19.05 Uhr telefoniere ich mit dem ZDF."

Ja- so war er!

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Der vollständige Text ist in den „Radio - Reminiszenzen", Band 13, im VISTAS Verlag erschienen. Wir danken Christian Bienert und dem VISTAS Verlag für die freundliche Erlaubnis, den Text zu veröffentlichen.

 

Vorschaubild: www.wikipedia.de, Bonn, Spendenaufruf für ZNS durch Hannelore Kohl, Creative Commons-Lizenz, Sir James.

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