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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Uta Plisch

Steuermann in stürmischen Zeiten

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1915)
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1915)

Gustav Georg Friedrich Maria Krupp von Bohlen und Halbach (1870-1950) ist der fünfte Sohn von sieben Kindern von Gustav und Sophie von Bohlen und Halbach. Er studiert Rechts- und Staatswissenschaften und promoviert 1893 mit 23 Jahren. Anschließend wird er in den badischen Staatsdienst übernommen. Vier Jahre später tritt er eine Stelle im Auswärtigen Amt in Berlin an. Zuerst arbeitet er an der deutschen Botschaft in Washington und anschließend in Peking. Als er 1904 an die preußische Gesandtschaft beim Vatikan berufen wird, lernt er dort in Rom Bertha Krupp kennen.

Es wird erzählt, dass ihm zuerst Barbara als Erbin vorgestellt wurde, um auszuschließen, dass er sich mehr für das Geld als für die Tochter interessierte. Er aber wollte Bertha und sonst keine.

1906 heiraten die beiden in der Villa Hügel. Kaiser Wilhelm II. nimmt persönlich an der Hochzeit teil und bringt als Geschenk ein Privileg mit: Gustav von Bohlen und Halbach wurde erlaubt, den Namen Krupp in seinem Namen führen. Diese Auszeichnung sollte samt Firma und Vermögen an den jeweiligen Erben übergehen im Falle der Firmenübernahme.

Damit ist Gustav der Mann, der das größte Vermögen in Deutschland erheiratet. Herausgerissen aus einer erfolgreichen diplomatischen Karriere meistert er nun die größte industrielle Organisation, die die Welt je gesehen hat. In nur sieben Jahren entwickelt er sich zum würdigen Nachfolger. Die 75 000 Mitarbeiter der Krupp-Werke und ihre Familien bringen ihm die gleiche Loyalität und Verehrung entgegen wie schon drei Generationen Arbeiter den Vorgängern.  

Die Frackkette von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach
Die Frackkette von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach

Gustav, der nach den Worten des Historikers Golo Mann „streng nach der Uhr lebende, immer selbstbeherrschte, immer bedächtig handelnde Mann der Pflicht", war in seinem Wesen zurückhaltend und bescheiden. Manche Zeitgenossen bezeichneten ihn sogar als ausgesprochen langweilig. Seine Lebensaufgabe sieht er darin, das Krupp'sche Erbe zu bewahren und zu vermehren. Familie und Unternehmen - dafür lebt er. Aber er sieht sich auch in der Pflicht, zahllose ehrenamtliche Funktionen zu übernehmen, und das über lange Jahre hinweg mit großer Hingabe:

  • Seit ihrer Gründung 1911 Vizepräsident und 1934 Senator und 1. Vizepräsident in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (die heutige Max-Planck-Gesellschaft)
  • Zusammen mit Berta Krupp von 1914 bis 1921 Vorsitzender des Vorstandsrates des Deutschen Museums für Naturwissenschaften und Technik in München
  • 1924 Präsident des Aufsichtsrats der für die Abwicklung der Reparationen geschaffenen Bank für Deutsche Industrieobligationen
  • • 1931 Präsident des Reichsverbands der Deutschen Industrie bis 1934,

um die wichtigsten Ehrenämter zu nennen.

Die Krupps führen ein bescheidenes Leben. Viele Menschen der Mittelklasse gönnen sich mehr als sie. Ihr soziales Engagement ist ihnen sehr wichtig, wichtiger, als sich in einen Wettbewerb mit ausländischen Firmen einzulassen um Waffenlieferungen nach Übersee. Und dafür lieben sie die Mitarbeiter in den Werken. Ab 1908 werden die Sozialeinrichtungen der Firma ausgebaut, Altenheime, Behinderteneinrichtungen, Krankenhäuser, Arbeitersiedlungen. 

Bertha und Gustav Krupp und ihre Kinder 1928.
Bertha und Gustav Krupp und ihre Kinder 1928.

1910 wird Gustav Mitglied des Preußischen Herrenhauses in Berlin, damals die erste Kammer des Parlaments und Legislative im Zweikammersystem des Landes zusammen mit dem Abgeordnetenhaus. Seit 2000 tagt dort der deutsche Bundesrat.

Das 20. Jahrhundert bringt anfangs ein kleines Wirtschaftswunder mit sich. Die Firma feiert 1912 ihr hundertjähriges Bestehen. Alles, was Rang und Namen hat in Staat und Gesellschaft, kommt nach Essen, auch Kaiser Wilhelm gibt sich die Ehre. Er ernennt Gustav zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister. Gustav wird dem Kaiser bis zuletzt die Treue halten.

Ende 1906 wird Gustav Mitglied des Aufsichtsrats der Friedrich Krupp AG, 1909 übernimmt er den Vorsitz bis Ende 1943.

Die Politik bestimmt in dieser Zeit die Produktion des Konzerns. In Gustavs Lebenszeit fallen zwei Weltkriege. Mit dem Ersten Weltkrieg rückt der Rüstungsbetrieb in den Vordergrund. Es folgt nach dem verlorenen Krieg der Versailler Vertrag, der eine Produktionsumstellung erzwingt und das Unternehmen 1924 und 1925 in eine schwere Finanzkrise führt. Danach folgt die Zeit des Nationalsozialismus mit einer erneuten Umstellung der Produktion auf Rüstungsgüter. In dieser Zeit entwickelt Krupp NIROSTA (Stahl, der nicht rostet), WIDIA-Hartmetall, speziell für Werkzeuge, Lokomotiven und LKWs. Das wirtschaftliche Auf und Ab des Konzerns lässt sich an den Mitarbeiterzahlen ablesen: Zum Ende des Ersten Weltkriegs beträgt sie 168.000, in der Weltwirtschaftskrise 1932 30.300 und vor Beginn des 2. Weltkriegs 1943 243.300.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 bedeutet für den Konzern das Ende des Auslandsgeschäfts. Durch die Seeblockade der Alliierten ist es ihm nicht mehr möglich, seine Überseemärkte zu beliefern und kann nur überleben durch die Umstellung auf Rüstung. 

Modell der Dicken Bertha (M-Gerät) mit Schild und Wartungsgeländer. Die beiden Stützen am vorderen Ende der Lafette sollten ein Überkippen nach vorne verhindern. Das Modell steht im Musée de l'Armée, Paris
Modell der Dicken Bertha (M-Gerät) mit Schild und Wartungsgeländer. Die beiden Stützen am vorderen Ende der Lafette sollten ein Überkippen nach vorne verhindern. Das Modell steht im Musée de l'Armée, Paris

Berühmtheit erlangt die Dicke Berta, Spitzname mehrerer Geschütze, die zum ersten Mal im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kommen. Der Name der Waffe hatte nichts mit Bertha Krupp zu tun, sondern sie verdankt das B der üblichen Alphabetisierung der Waffenteile.

Die Kriegsfabrik beflügelt Forschung und Design. Zum Zeitpunkt des Waffenstillstands von 1918 befinden sich die Waffenentwicklungsstätten auf dem Höhepunkt ihrer Effizienz und in voller Auslastung.

1919, nach dem verlorenen Krieg, führt diese Konzentration auf Rüstungsgüter zu einer schweren Konzernkrise, da den Deutschen im Versailler Vertrag die Produktion derselben verboten wird. Zahlreiche Fabrikanlagen müssen zerstört werden. Krupp stellt die Fertigung um auf Lastkraftwagen, Landmaschinen, Lokomotiven und andere unverfängliche Güter. Allerdings lässt sich damit bei weitem nicht so gut verdienen wie mit der Rüstung. Trotzdem entschließt sich das Ehepaar Krupp dazu, den Konzern als Familienunternehmen weiterzuführen und sich nicht der Vereinigte Stahlwerke AG anzuschließen, ein Montangigant, der 1926 neu entsteht.

Nach dem Krieg wird Gustav von den Alliierten als einer der deutschen Kriegsverbrecher angeklagt. Er symbolisiert das Haus Krupp, die Nähe zum Reich und zum Militär, und er ist ein Freund des Kaisers, der übrigens politisch die Zeit nach 1918 nicht überlebt. Dieser Kriegsverbrecherprozess findet allerdings nie statt, zu uneinig ist sich Frankreich und Großbritannien über das Prozedere, und zu groß ist die Empörung in Deutschland. Die USA hatten sich nach Kriegsschluss aus den inneren Angelegenheiten Europas weitgehend zurückgezogen. 

Der verlorene Krieg bringt es mit sich, dass Deutschland Reparationen an die Siegermächte zu zahlen hat. Die Höhe dieser Zahlungen ist im Versailler Vertrag festgelegt (132 Milliarden Goldmark). Da es Deutschland wirtschaftlich sehr schlecht geht, verzichtet man schlussendlich auf das Geld und verlangt dafür Stahl, Holz und Kohle. Doch diese Lieferungen treffen nur sehr zögerlich ein, die Weimarer Republik verzögert die Abwicklung mit Absicht. Als Konsequenz besetzen Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet (Januar 1923). Gustav und acht Direktoren der Krupp AG werden von einem französischen Militärgericht verurteilt. Sie sind Mittel zum Zweck, Reichskanzler Gustav Stresemann zu erpressen, damit der den Widerstand gegen die Reparationslieferungen aufgibt. Nach sieben Monaten erreichen die Franzosen ihr Ziel. Die Folge der Ruhrbesetzung und die Weltwirtschaftskrise 1929 bringen eine weitere Schwächung des Konzerns mit sich. 

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1931)
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1931)

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 beginnt für die Krupps eine Zeit beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwungs. Hitler will ein autarkes, ein starkes Deutschland mit einer führenden Rolle in Europa. Und dafür braucht es Unmengen an Rüstungsgütern. Der Konzern stellt seine Produktion wiederum um und beschäftigt zu diesem Zweck zahlreiche Fremd- und Zwangsarbeiter, billig zu haben durch die Expansionspolitik des Führers, ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Unternehmens. Man nennt die Firma Krupp auch die „Waffenschmiede des Reiches". Dabei ist dieses Bild unzutreffend: Krupp produziert weniger als 10% der deutschen Geschütze. Die Produktion der zivilen Güter soll nicht unter dem Rüstungsgeschäft leiden.

In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ist Deutschland von der Nordsee bis Berlin bedeckt von endlos qualmenden Schornsteinwäldern. Im Ruhrpott in Essen ist der Rauch am dicksten. An vielen Orten entstehen Rüstungsbetriebe, in Kiel bauen 6100 Schiffsbauer Kriegsschiffe, Torpedoboote und U-Boote in der riesigen GERMANIA Werft der Krupps.
Ende 1943 legt Gustav den Vorsitz im Aufsichtsrat der Friedrich Krupp AG nieder. Sein ältester Sohn Alfried wird Alleininhaber nach der Umwandlung der AG in eine Einzelfirma.

Im Nachhinein ist festzustellen, dass Gustav ganz sicher kein Kriegstreiber war. Er hielt sich aus der Politik zurück und förderte auch keineswegs die Partei der Nationalsozialisten. Als Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt wird, versucht er aber, dem Staat gegenüber loyal zu sein. Seine Frau und er halten sich fern von Hitler, solange es ihnen möglich ist und es der Firma nicht schadet. Irgendwann müssen sie diese Zurückhaltung aufgeben. Es steht zu befürchten, dass die Nazis sonst direkt auf das Unternehmen zugegriffen hätten, da der Staat die unternehmerischen Freiheiten immer mehr einschränkte. Ein Beispiel: Krupp wollte Carl Friedrich Goerdeler, den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister, in den Vorstand wählen lassen. Da dieser als Regimekritiker galt, verbot Hitler seine Wahl.

Erst 1940 wird Gustav Mitglied der NSDAP, und zwar, weil Adolf Hitler ihm zu seinem 70. Geburtstag das Goldene Ehrenzeichen der Partei überreicht. Man kann darüber spekulieren, was bei einer Ablehnung passiert wäre.

1945, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wird Gustav durch die Alliierten im Nürnberger Prozess gemeinsam mit 23 anderen als Haupt-Kriegsverbrecher angeklagt, obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon unter schwerer Demenz leidet. Das Verfahren gegen ihn wird deshalb eingestellt. Da es unbedingt ein Krupp sein muss, für sie der Inbegriff des Bösen, stellen sie Sohn Alfried unter Anklage.

Nach einem Autounfall im Dezember 1944 und nach mehreren Schlaganfällen pflegt Bertha ihren Mann zusammen mit einer Krankenschwester in ihrem Exil bei Salzburg, wo sie seit 1944 leben. Im Januar 1950 stirbt Gustav, und Bertha kehrt nach Essen zurück. Hier ist es ihr noch vergönnt zu erleben, wie das Unternehmen zu alter Stärke zurückfindet. In die Villa Hügel kehrt sie nicht mehr zurück. Diese dient nach Freigabe durch die Alliierten nur noch der Repräsentation, dort empfangen Bertha und Sohn Alfried ihre Gäste.

 

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- Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1915). Quelle: Library of Congress, via Wikimedia Commons
- Frackkette in der Villa Hügel laut Beschreibung vermutlich von de:Gustav Krupp von Bohlen und Halbach. Fotograf: HBRl, Lizenz CC-By-SA 3.0 via Wikimedia Commons
- Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach mit ihren Kindern.
Datum 1928. Fotograf Nicola Perscheid via Wikimedia Commons
- "Dicke Bertha". Modell im Musée de l#Armee, Paris. Fotograf: Rama. Lizenz CC-BY-SA 2.0. via Wikimedia Commons
- Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1931). Bundesarchiv, Bild 102-12331 / CC-BY-SA