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Kennst du Rainer Maria Rilke?

Horst Nalewski

Dieses Buch ist an diejenigen gerichtet, die Rainer Maria Rilke kennen lernen wollen, aber auch an erwachsene Literaturinteressierte, die den jungen Rilke besonders lieben. Es will den schweren Weg nachzeichnen, den der Dichter gehen musste, um schließlich einer der ganz Großen zu werden.

Rainer Maria Rilke

Rainer Maria Rilke

Ulrike Unger

Dichter der literarischen Moderne

„Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit. [...]"
(Aus: »Dir zur Feier«, 1897/98)
Wer war dieser Rainer Maria Rilke, in dessen Lyrik sich noch heute ungezählte Menschen vertiefen, in dessen Werken sich dem Leser nach wie vor neue und überraschende Aspekte öffnen? Wer war dieser Dichter, den der österreichische Autor Robert Musil im Jahre 1927, während einer Gedenkfeier auf dessen Tod als „den größten Lyriker [...], den die Deutschen seit dem Mittelalter besessen haben!" ehrte?
 
Rilke, das war der reisende Dichter, den Sesshaftigkeit und die wohlgeordneten Bahnen eines Familienlebens nicht glücklich machten. So wurde früh aus dem am 04. Dezember 1875 in Prag geborenen René Maria Rilke ein Nomaden-Dichter, der in München, Paris und Berlin wohnte, Russland erkundete und Italien. Selbst in Nordafrika hielt er sich auf. Das Erleben der Großstadt Paris, das für Rilke überwältigend und bereichernd, aber ebenso erschütternd war, floss in seinen einzigen Roman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" ein. In der französischen Metropole war er auch als Sekretär an der Seite des Bildhauers Auguste Rodin tätig. Nach dem Ersten Weltkrieg und den revolutionären Unruhen auf deutschem Boden, konnte er in der Schweiz nach über zehnjähriger Schaffenskrise endlich seine im italienischen Duino begonnene Arbeit an den „Duineser Elegien" beenden sowie die kunstvollen, schwer zugänglichen „Sonette an Orpheus" zu Papier bringen. 
 
Rilke, das war der spirituelle Dichter des Stunden-Buchs, der sich den Gedanken eines Meister Eckarts nahe fühlte, der sein Leben lang eine gespaltene Haltung zum abendländischen Christentum einnahm und Glauben sehr persönlich und unkonventionell ausdeutete. 
Rainer Maria Rilke, von Emil Orlik
Rainer Maria Rilke, von Emil Orlik
Rilke, das war auch der leidenschaftliche Briefdichter, der in zeitaufwendiger, beinah obsessiver Weise seine täglichen Korrespondenzen erledigte. Für ihn war es liebevolle Verpflichtung. Um die 12 000 Briefe umfasst sein Nachlass. Er wechselte nicht nur wunderbare Briefe mit seinen Geliebten, mit Freunden und Bekannten, sondern nahm sich ebenfalls jeder Anfrage ihm unbekannter Personen aufrichtig an, wenn sie sich schriftlich Rat suchend an ihn wandten.
 
Rilke, das war der Dichter der Dinge, der mit Werken wie „Der Panther", „Das Karussell" oder „Blaue Hortensie" Lyrik schuf, die Leser bis heute gleichermaßen überzeugt und berührt. Es drängte Rilke dazu, so präzise wie möglich das grundlegende Innere der Dinge darzustellen, die ihn umgaben. 
 
Rilke, das war der kranke Dichter, der kaum das 50. Lebensjahr überschritten hatte, als er in einem schweizer Sanatorium bei Montreux im Winter 1926 der Leukämie erlag. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, hatte er die Ruhe und Abgeschiedenheit immer bevorzugt. Sie entsprach seinem Gemüt, seinem nachdenklichen, feingeistigem Wesen. Nur in der Einsamkeit konnte Rilke dichten. Er wählte Orte wie die Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen dafür aus oder das Einsiedler-Schlösschen Muzot im Rhône-Tal der Schweizer Alpen, Rilkes letztes Domizil bevor er starb. 
 
Rilke ist keineswegs von Anfang an ein Dichter gewesen. Doch er erlebte prägende Beziehungen zu Menschen, die dazu beitrugen, seine schriftstellerischen Ideen und seine emotionale Entwicklung voranzutreiben. Immer probierte Rilke sich aus, hinterfragte, verwarf, öffnete sich neugierig neuen Möglichkeiten der Sprache. Mit den Augen des Dichters erkannte er für sich, dass die Worte, die in der Welt kursierten, unzulänglich waren. Er suchte nach dem Höheren, die Dinge zum Sprechen zu bringen, ohne sie dabei zu entzaubern. Rilkes literarische Kunstwerke, die heute Mustergültigkeit besitzen, sind die Essenz dieses Bauens an den eigenen Worten und Wahrnehmungen.

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Quellen:
• Wolfgang Leppmann: Rilke. Leben & Werk. Wiesbaden: VMA-Verlag 1981, 1996.
• Horst Nalewski: Kennst du Rainer Maria Rilke? Der schwere Weg zum großen Dichter. Weimar: Bertuch 2005.
• Rainer Maria Rilke: Die Gedichte. Frankfurt a.M. u.a.: Insel 2006.
• http://www.rilke.de/
• http://sende-zeit.de/2011/07/19/rilke-und-die-religion/



Bildquellen:

Vorschaubild: Rainer Maria Rilke, gemeinfrei 

Rainer Maria Rilke, nach einer Zeichnung von Emil Orlik, gemeinfrei

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