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Kennst du Heinrich Heine?

Wilfried Bütow

Entdecken wird der Leser einen modernen Dichter und einen großen Anreger. Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich-witzig zu polemisieren. Bewegendes ist über den späten Heine zu lesen: Sein Leben in der "Matratzengruft" und die Dichtung dieser Jahre als Balanceakt "zwischen Tränen und Gelächter".

Heinrich Heine

Heinrich Heine

Ulrike Unger

Letzter Dichter der Romantik

„Ich habe es, wie die Leute sagen, auf dieser schönen Erde zu nichts gebracht. Es ist nichts aus mir geworden, nichts als ein Dichter."
Mit diesem Resümee legte Heinrich Heine - im Tonfall der für ihn so typischen Ironie - Zeugnis ab über sein Lebensprogramm. Die im Mantel der Verstellung bescheiden daher kommenden Worte entpuppen sich als ein von ihm bis zur Perfektion betriebenes Spiel der Erhabenheit des Ästheten über seine Umwelt. Heine war ein moderner Europäer, der die Stilmittel der Satire und Polemik wie eine Streitaxt in der Hand gehalten hat. Er war der Kunst, und nur der Kunst verpflichtet. Sie gab ihm seine Daseinsberechtigung.
 
Der Dichter wurde als Harry Heine am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Samson Heine und dessen Frau Elisabeth van Geldern. In Hamburg und Frankfurt am Main sammelte der junge Poet erste Berufserfahrungen als Auszubildender im Bankgeschäft und wurde Zeuge der desolaten Lage jüdischer Einwohner des Frankfurter Ghettos. Kurz darauf nahm er das Studium in Bonn, Göttingen und Berlin auf. Finanzielle Unterstützung fand er dabei beim reichen Hamburger Onkel Salomon Heine, der beträchtliche Summen sein Eigen nannte.
 
Bereits 1818 veröffentlichte er erstmals Gedichte unter Pseudonym im „Hamburger Wächter". Heine, der aus jüdisch-assimilierter Familie stammte, war die antisemitische Färbung der Zeitschrift damals wahrscheinlich nicht bewusst.
 
Seine Bestrebungen nach Anerkennung und wirtschaftlicher Eigenständigkeit wurden immer wieder empfindlich unterbrochen. Weil er Jude war, war sein Leben anfechtbar, war er gesellschaftlich benachteiligt. Hart ging er dafür mit dem Christentum und dem preußischen Staat ins Gericht, fand sich allerdings 1825 mit dem Kompromiss der protestantischen Taufe ab. Ein Versuch, die permanenten Sanktionen, denen er als Jude ausgesetzt war, zu überwinden. Vor dem Hintergrund antisemitischer Repressalien ist auch seine anfängliche Euphorie für die napoleonische Einflussnahme auf deutschem Territorium nachvollziehbar. Die Einführung des code civil schaffte eine vorübergehende Gleichstellung der Juden, von der auch Heine profitierte. Dieser Vorstoß wurde während der Restauration wieder aufgehoben.
Gemälde von Heinrich Heine
Gemälde von Heinrich Heine
Es gab viele Zeitgenossen, denen Heine zunächst Verehrung entgegenbrachte, sie später aber heftig angriff, allen voran Georg Wilhelm Friedrich Hegel, dessen Vorlesungen er in Berlin fasziniert lauschte. Dem einst verehrten Bonner Universitätsprofessor Ernst Moritz Arndt, warf der Dichter später nationalistische Gesinnung vor, die der um sich greifenden Restauration zuarbeite. Ludwig Börne jedoch hat er stets mit Skepsis betrachtet. Der auf journalistischem Wege ausgetragene Prinzipienkrieg, den er mit Börne führte, ging bis an die Grenzen des Erträglichen. Es waren persönliche Differenzen, politische und literarische Grundsätze, aufgrund derer sich der Konflikt zur regelrechten Feindschaft auswuchs. Keiner von beiden hatte wohl mit der Ausdauer des anderen gerechnet.

Die Auswanderung nach Paris 1831 war nur notwendige Folge der Unruhe, die Heine in Deutschland verspürt haben musste. Als er dem Geburtsland den Rücken kehrte, hatte sich sein literarischer Ruhm gerade erst herumgesprochen. Auf die Bedrohung seiner politisch-satirischen Schriften durch die Zensur reagierte er mit Flucht. 

In der französischen Hauptstadt wurde er Korrespondent einer deutschsprachigen Tageszeitung vor Ort, der Augsburger Allgemeinen Zeitung, die vom Verleger Johann Friedrich Cotta herausgegeben wurde. In dieser erschienen in Serie Heines Artikel „Französische Zustände", die ihn nicht nur als Schriftsteller, sondern auch schnell als Vollblutjournalisten auswiesen. In Buchform wurden die Texte in Deutschland veröffentlicht. Als Fürst Metternich das Erscheinen der Artikelreihe verbot, entschied Heinrich Heine endgültig im Ausland zu bleiben.
Ab 1845 stellten sich schwerwiegende gesundheitliche Veränderungen ein, die Heine im zunehmenden Maße beeinträchtigten. Knapp acht Jahre sollte sein Siechtum dauern. In seine Pariser „Matratzengruft" in der Avenue Matignon gesellte sich zu dem sterbenden Dichter Elise Krinitz. Er bedachte sie mit Gedichten und Briefen, überhäufte sie mit allen verbalen Zärtlichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, nannte sie seine „Bisamkatze", seine „Lotosblume". Sie unterhielt mit ihm einen geistigen Austausch, las ihm stundenlang aus Büchern vor und wurde seine letzte Liebe. Am frühen Morgen des 17. Februar 1856 starb Heine. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Montmartre.
 
Auf einen Blick lässt sich die Vielgestalt der Werke Heines nicht erfassen: Da sind Reiseberichte, kunstvoll verwoben zu Reisebildern, gespickt mit scharfer Kritik an den politischen Gegebenheiten in Deutschland. Gedichte, Essays, mal witzig, mal frech, aber nie ohne eine schnittige Pointe. Oder Dramen wie „Almansor", aus dem die Zeilen „Das war ein Vorspiel nur; wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." wie ein Menetekel hervorstehen. Heine erfand die Poetizität der Alltagssprache. Wer, mit Ausnahme eines Harry-Heinrich Heine, konnte Zeilen verfassen wie diese?
 
[...]„Wenn ich sterbe, wird die Zunge
Ausgeschnitten meiner Leiche; 
Denn sie fürchten, redend käm' ich
Wieder aus dem Schattenreiche." [...]

*****

 

 

 Quellen:

• Fritz J. Raddatz: Taubenherz und Geierschnabel. Heinrich Heine. Eine Biographie. 2. Auflage. Weinheim u.a.: Beltz Quadriga 1997.
• Wilfried Bütow: Kennst du Heinrich Heine? Weimar: Bertuch 2006.

 

Bildquellen:
Vorschaubild, Heinrich Heine, Gemälde von Isidor Popper, gemeinfrei

 Heinrich Heine, Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim; gemeinfrei

 

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