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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Alfred Krupp

Alfred Krupp

Uta Plisch

Vorreiter der Industriellen Revolution

Nach dem Tod ihres Mannes Friedrich führte Therese Krupp die Gute Hoffnungs-Hütte weiter, unterstützt von Verwandten und insbesondere ihrem ältesten Sohn Alfred (ursprünglich Alfried) Krupp (1812-1887).
Alfred-Krupp-Standbild im Ruhr Museum Essen
Alfred-Krupp-Standbild im Ruhr Museum Essen

Dieser hatte bereits mit 14 Jahren Verantwortung im Betrieb seines kranken Vaters übernommen, die Schule hatte er verlassen. Schon nach kurzer Zeit war er es, der die Geschäfte führte, ab 1848 dann auch formaljuristisch als alleiniger Inhaber. Ohne abgeschlossene Schulbildung eignete er sich in der Praxis ein profundes technisches und kaufmännisches Wissen an. Er glaubte an seinen Erfolg: „Meine Ungeduld ist ein Crocodil - das lässt sich nicht bezähmen."

In nur wenigen Jahrzehnten schuf er aus der Firma seines Vaters ein industrielles, international tätiges Großunternehmen mit 20.000 Beschäftigten. Er besaß Beharrlichkeit, unternehmerischen Instinkt und Risikobereitschaft, und er hatte das Glück, in einer Zeit zu leben, die unter dem Begriff „industrielle Revolution" in die Geschichte einging. Dafür war er wie geschaffen, und so ist dieses Zeitalter untrennbar mit dem Namen von Alfred Krupp verbunden. Er brachte wirtschaftliches Wachstum und technische Innovationen in hoher Qualität. Dabei galt immer sein Leitsatz: „Ordinär arbeiten ist gegen meine Neigung."

Bis etwa 1850 wuchsen Umsatz und Belegschaft nur langsam, aber dann brachte die Industrialisierung neue, höchst aufnahmefähige Märkte für die Firma. Die Eisenbahn kam nach Europa. Man benötigte zur Herstellung von Achsen, Federn und Schienen große Mengen an Gussstahl. Krupp war bald in der Lage, Walzen aus Gussstahl herzustellen, die reißenden Absatz fanden.

Das Firmenzeichen von Krupp: Die drei nahtlosen Eisenbahn-Radreifen
Das Firmenzeichen von Krupp: Die drei nahtlosen Eisenbahn-Radreifen

Seine wichtigste Erfindung war der nahtlose Eisenbahnradreifen. In den frühen 1850er-Jahren patentiert, entwickelte er sich zum weltweiten Exportschlager. Erst durch dieses Produkt wurde das Eisenbahnfahren schneller und sicherer.

Auf militärischem Gebiet machte sich Alfred Krupp einen Namen durch die Entwicklung der Gussstahlkanone. Sie löste die bis dahin gebräuchlichen Eisen- und Bronzekanonen langsam ab. Der Anteil der Rüstungsgüter am Gesamtumsatz betrug aber damals weit weniger als die Hälfte.
In Bezug auf die Gussstahlkanone ist vielleicht interessant zu wissen, dass Preußen 1864 auch deshalb den Deutsch-Dänischen Krieg gewann, weil diese Stahlgeschütze den dänischen Bronzekanonen weit überlegen waren. Und 1866 kämpften im Deutschen Krieg zwei Heere gegeneinander, die beide mit den Kruppschen Gussstahlkanonen ausgerüstet waren. Durch den Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) schließlich wurde Krupp zu einem reichen Mann. Er hatte die Kanone noch perfektioniert, so dass diese eine doppelte Reichweite hatte im Vergleich zur Bronzekanone. Am Ende der Kette stand die Feldkanone C/67, die zehn Schuss pro Minute abfeuern konnte und bis zu 3.450 m reichte, eine furchtbare Waffe, die bei der Schlacht von Sedan zum Einsatz kam.

Erwähnenswert ist hier auch Alfreds Interesse für Fotografie. 1861 wurde von ihm eine Abteilung für Fotografie gegründet. Im Historischen Archiv der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung findet man 2 Millionen Fotografien aus der Zeit, darunter auch die ersten Bilder von der Herstellung der damaligen industriellen Stahlproduktion. Diese Fotografien stellen eine der größten historischen Fotosammlungen dar.

Die Villa Hügel, das ehemalige Wohnhaus der Krupp-Familie in Essen (2013)
Die Villa Hügel, das ehemalige Wohnhaus der Krupp-Familie in Essen (2013)

Mit der Errichtung des ersten Bessemer-Stahlwerks auf dem Kontinent in Essen 1862 durch Alfred Krupp begann das Zeitalter der Massenproduktion auf dem Stahlsektor. Dies führte zu einem beispiellosen Aufschwung seines Unternehmens.

Das Bessemer-Stahlwerk bedeutete eine große Erleichterung für die Arbeiter. Früher mussten sie sechs Stunden lang das flüssige Eisen in Öfen rumrühren, damit das Roheisen von Kohlenstoff befreit wurde. Nur so konnte es dann zu Stahl weiterverarbeitet werden. In dieser Hitze kam es häufig vor, dass Männer vor dem Ofen tot umfielen. Nun kam Henry Bessemer auf die Idee, einen Konverter zu entwickeln, die Bessemer Birne: sie wird mit Roheisen gefüllt, und anschließend wird Luft eingeblasen, so dass der Kohlenstoff verbrennt.

Krupp ging auch im sozialen Bereich neue Wege. Er führte schon früh eine Krankenversicherung ein und ließ ab 1861 Werkswohnungen bauen. Dafür erwartete er von seinen Arbeitern Treue ihm und der Firma gegenüber.

Schwierige Zeiten begannen für das Unternehmen mit der sog. Gründerkrise nach 1873. Die Konjunktur brach weltweit ein. Alfred Krupps Unternehmen stand fast vor dem Ende. Doch die Banken setzten auf ihn und liehen ihm Geld.

Alfred Krupp im Reitergewand Gemälde von Julis Grün (1887)
Alfred Krupp im Reitergewand Gemälde von Julis Grün (1887)

Alfred Krupp war Patriot und Patriarch zugleich. Er war kein Freund sozialistischer Ideen, und auch von demokratischen Ideen in der Firma hielt er nichts. Er war derjenige, der führte. Gleichzeitig war er seinen Beschäftigten verpflichtet. 1873 prägte er den Leitspruch: „Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein." Diesen setzte er um, indem er Wohnungen bauen ließ, Unterstützungskassen gründete und Krankenhäuser, Schulen und Lebensmittelläden zur Verfügung stellte. Dadurch wollte er auch soziale Unruhen unterbinden und sich gut ausgebildete, fleißige Mitarbeiter schaffen, die sich der Firma verpflichtet fühlten. Allerdings waren diese Wohltaten strengen Auflagen unterworfen. Der Übervater Krupp hatte ein strenges Kontrollsystem ausgearbeitet, das sog. „Generalregulativ", in dem Rechte und Pflichten genauestens festgelegt waren. Hier ein Auszug:
Untreue und Verrat muss mit aller gesetzlichen Strenge verfolgt werden ... denn wie aus dem Samen die Frucht hervorgeht und je nach seiner Art Nahrung oder Gift, so entspringt dem Geist die Tat - Gutes oder Böses."
Das Kruppsche Generalregulativ diente später Otto von Bismarck als Orientierung für seine Sozialgesetzgebung.

Für Alfred Krupp stellte die Sozialistische Arbeiter-Partei das Feindbild Nr. 1 dar. Seine Arbeiter waren sein Eigentum, und sie wurden in jeder Hinsicht bevormundet. Nahmen sie an Demonstrationen teil, kamen sie auf eine schwarze Liste. Wer darauf stand, wurde entlassen. Standen Wahlen an, wurden die Arbeiter aufgefordert, auf keinen Fall die SAP zu wählen.

Im öffentlichen Leben kam Alfred Krupp nicht vor, er lebte ausschließlich für seine Firma. 1873 bezog Krupp die Villa Hügel im grünen Süden Essens, ein repräsentativer Prachtbau, einschüchternd in seinen Dimensionen. Er hatte ihn größtenteils selbst entworfen. Da er eine panische Angst vor Feuer hatte, wurde kein brennbares Material verwendet. Die Holzverkleidungen und Holztreppen wurden erst später durch die Nachkommen hinzugefügt. Nach drei Jahren war das Bauwerk trotz aller auftretenden Schwierigkeiten fertiggestellt. Krupp verschliss in dieser Zeit 7 Architekten. Bis 1945 bewohnte die Familie die Gebäude. Nach dem verlorenen Krieg beschlagnahmten die Alliierten das Anwesen. Nach der Rückgabe wurde die Villa für kulturelle Zwecke zur Verfügung gestellt. Heute gehört die Villa Hügel zum Besitz der gemeinnützigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und kann von jedermann bestaunt und besichtigt werden. Sie liegt in einem wunderschönen Park. 

Bertha, Alfred und Friedrich Alfred Krupp, um 1869
Bertha, Alfred und Friedrich Alfred Krupp, um 1869
Kommen wir zum privaten Menschen Alfred Krupp. Er war 17 Jahre alt, als er zum ersten Mal Vater eines Sohnes wurde. Mutter war die Tochter eines Kleinbauern, der in der Nähe der Gussstahlfabrik wohnte. Mit 300 Talern wurden sie und ihr Sohn abgefunden, so viel verdiente ein Arbeiter in drei Jahren. Im Gegenzug verzichtete sie für alle Zeit auf Ansprüche gegenüber der Familie Krupp. Man muss dazu sagen, dass zu der Zeit niemand davon ausgehen konnte, dass das Unternehmen Krupp einmal so erfolgreich werden würde.

1853 heiratete er Bertha Eichhoff. Die beiden bekamen einen Sohn, Friedrich Alfred. Man darf annehmen, dass es keine sehr glückliche Ehe war, da er ausschließlich mit seinem Unternehmen befasst war und ihm seine ganze Zeit opferte. Sie fühlte sich nicht wohl in Essen, es war ihr da zu schmutzig. Deshalb lebte sie die meiste Zeit des Jahres mit ihrem Sohn in Italien.

Alfred Krupp besaß viele Facetten. Er war das, was man heutzutage einen „Workaholic" nennt. Gleichzeitig war er ein ausgesprochener Hypochonder. Er litt unter Depressionen und soll über Wochen und Monate im Bett geblieben sein. Seinem Selbstbewusstsein tat das keinen Abbruch. Stolz empfing er auf seinem Hügel die Großen, Mächtigen dieser Welt, Kaiser, Könige, Machthaber. Diese kamen nicht zu ihm, weil sie ihn so mochten, sondern sie wollten Geschäfte machen, und hier wohl am ehesten Rüstungsgeschäfte im großen Stil.  

Grabmal von Alfred Krupp auf dem Friedhof Bredeney in Essen
Grabmal von Alfred Krupp auf dem Friedhof Bredeney in Essen

1865 bot ihm der preußische König den Adelstitel an. Er lehnte ihn ab mit den Worten, das sei „seinen Wünschen nicht entsprechend". Krupp sei sein Name, und das sei ihm genug.
Krupp hatte ein Laster, wenn man das so nennen kann, er teilte sich gerne mit, das war ihm ein großes Bedürfnis. So verfasste er mit den Jahren Tausende von Briefen, wenn es sein musste, auch an eine Person mehrere am Tag. Und er verfasste viele Memoranden an seine Arbeiter. Ich glaube, wenn man folgenden Auszug liest, kann man erkennen, wie er sich selbst sah im Verhältnis zu seinen Untergebenen.

1877 richtete Krupp „ein Wort an meine Angehörigen":
Ich habe die Erfindungen und neuen Produktionen eingeführt, nicht der Arbeiter. Er ist abgefunden mit seinem Lohne, und ob ich darauf gewinne oder verliere, das ist meine eigene Sache".
Seinen Arbeitern gab er folgendes mit auf dem Weg:
Genießet, was Euch beschieden ist. Höhere Politik treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in die Verhältnisse, als dem Arbeiter verliehen ist."

Alfred Krupp starb 1887 mit 75 Jahren durch einen Herzinfarkt. Sein Grab findet man auf dem städtischen Friedhof Bredeney in Essen. Sein einziger Sohn Friedrich Alfred erbte den Gesamtkonzern mit 20.200 Mitarbeitern.

 

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Bildquellen:
- Vorschaubild: Alfred Krupp (Porträt). Quelle und Abdruckgenehmigung: ThyssenKrupp AG
- Alfred-Kriupp-Standbild im Ruhr Museum Essen: Florian Russi
- - Die drei Ringe von Krupp (drei nahtlose Eisenbahn-Radreifen, bis heute Firmenzeichen ThyssenKrupp-Konzerns). Quelle: Wikimedia Commons
- Villa Hügel, das ehemalige Wohnhaus der Krupp-Familie in Essen: Florian Russi (2013)
- Alfred Krupp im Reitergewand Gemälde von Julis Grün (1887). Quelle: Wikimedia Commons

- Bertha, Alfred und Friedrich Alfred Krupp 1869, © Historisches Archiv Krupp
- Grabmal von Alfred Krupp auf dem Friedhof Bredeney in Essen, Fotografiert im Mai 2009 von Wiki05. (Public Domain, Quelle: Wikimedia Commons)