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Martin Heidegger

Martin Heidegger

Ulrike Unger

Denkt man an den Philosophen Martin Heidegger, fällt einem wohl zu allererst dessen Erdverbundenheit ein, die er zu seiner badischen Heimat hegt. 1889 im Städtchen Meßkirch geboren, verbringt Heidegger seine Lebenszeit beinah ausschließlich im Schwarzwald oder in Freiburg, denn er fühlt sich unwohl in der Großstadt. Lärm und Menschenmassen stoßen ihn ab. So ist es nicht verwunderlich, dass er es vorzieht in einer abgeschiedenen Hütte mit Blick über das Todtnauer Land den größten Teil seiner Tage zu verbringen. In der Freizeit ist der Philosoph begeisterter Skifahrer und -lehrer. Einige alte Aufnahmen zeigen Heidegger in bäuerlichem Erscheinungsbild, in seiner folkloristischen Kluft, die ihn hin und wieder schmückt. Der ein oder andere mag darüber ins Schmunzeln verfallen, nichtsdestominder zeichnen den Mann aus dem Wald eine große Tiefe im Denken, eine immense Bedächtigkeit aus. Ihm ist es nicht genug, Antworten zu finden, er will die richtigen finden und dies gewährleistet nur ein schweres ausdauerndes Grübeln, das wohl stets auch ein Hauch von Schwermut kennzeichnet.
Heidegger unterrichtet in jungen Jahren zuerst in Freiburg als Dozent und nimmt dann eine Professur für Philosophie in Marburg an, bis es ihn wieder zurück nach Freiburg führt. Seine Zuhörer sind von ihm als Redner begeistert, seine Vorlesungen werden immer mit größtem Interesse besucht, sind ständig überfüllt. 1927 hat er seinen ersten Durchbruch mit dem Hauptwerk „Sein und Zeit", welches er Edmund Husserl widmet, in dessen Tradition er steht. Die eine Leitfrage begleitet Martin Heideggers Werk: Was ist der Sinn des Sein?
So ist Heidegger auch der Auffassung, das Denken müsse in Beziehung zur Welt stehen, es dürfe nicht für sich allein existent sein. Für eine kurze Spanne glaubt er die eigenen Vorstellungen im Nationalsozialismus wiederzuerkennen, was er bald revidiert, seine Professorenstelle einbüßt und sich beinah völlig aus der Öffentlichkeit zurückzieht.
Heideggers Suche nach dem Sein lässt ihn in seiner Schrift zunächst davon ausgehen, der Mensch stehe mit der Welt in Verbindung, aus dieser ergeben sich die vielfältigsten Interaktionen mit anderen. Diese Eigenschaft erlaubt dem Menschen die Welt sinnlich und rational zu erschließen, Heidegger spricht in diesem Zusammenhang gar von Offenbarung, der Mensch bricht in das Ganze des Seienden ein. Im Zuge dessen realisiert sich der Mensch als eigenständiges Wesen, nämlich als er selbst. Dies ist Ziel und Aufgabe des menschlichen Daseins. Er kann aber nur dahin gelangen, indem der Mensch sich selbst reflektiert, seine Stimmungen auswertet. Eine der Grundstimmungen, die es zu überwinden gilt, ist (wie schon bei Kierkegaard) die Angst. Denn Angst verschiebt die Wirklichkeit, der Mensch fühlt sich im Wortlaut Heideggers &bdquobdquo;in das Nichts hineingehalten." Hier kommt das Gewissen zum Einsatz. Es soll den Menschen aus der Angst herausreißen, ihn wachrütteln, ihm die Möglichkeit geben, zum eigenen Sein zu finden. Das heißt: Der Mensch wird erst er selbst, wenn er entscheidet aus sich selbst heraus zu handeln, ohne den Einfluss äußerer Faktoren.
Den späten Heidegger trifft schließlich die Erkenntnis, dass er über die philosophische Erforschung des Menschen dem Sinn des Seins nicht auf den Grund kommen kann, so kreiert er einen anderen Ausgangspunkt der Überlegungen. Er stellt nicht mehr den Menschen in den Mittelpunkt seines Denkens, er spricht ihm seine Autonomie ab. Stattdessen gliedert er den Menschen hierarchisch unter das Sein, dieser ist nun unlösbar mit dem Sein verknüpft und muss auf dessen Anrufung warten. Was Heidegger allerdings mit dem Sein tatsächlich meint, bleibt kryptisch, er schiebt dessen Erkennen in die Zukunft, sieht dessen Definition als Aufgabe zukünftiger Denker. Einen Gott als Alternative für seinen Seins-Begriff schließt er jedenfalls aus.
Martin Heidegger stirbt im Frühjahr 1976, auf seinen Wunsch hin wird er im Geburtsort Meßkirch beigesetzt.

 

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Textquellen:
Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe. Die großen Philosophen in Alltag und Denken. München: dtv 2006.
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger

Bildquelle: Photo 2012 Andreas Praefcke"Meßkirch, Heideggerhaus, Gedenktafel, Portrait Martin Heidegger von 1978, Bildhauer: Kret; wikipedia

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