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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Martin Luther

Martin Luther

Christoph Werner

Flagge USA

Martin Luther (1483-1546), meine Leserinnen und Leser, ist eine so beispiellos fortwirkende Gestalt der deutschen, europäischen und Weltgeschichte, dass es schwierig ist, sich in einem kurzen Artikel über ihn zu äußern. Glücklicherweise gibt es bereits Beiträge in drei „Lesen" des Bertuch-Verlages über Luther, die uns den Zugang erleichtern (siehe Quellenangaben).

Bereits als Augustinermönch in Erfurt, später in Wittenberg und verstärkt noch durch die Erfahrungen seiner Romreise, peinigte sich Luther bis aufs Blut mit der Frage, wie bekomme ich einen gnädigen Gott. Für ihn und für viele Menschen seiner Zeit hatte die Antwort auf diese Frage eine heute kaum noch nachvollziehbare Bedeutung. Drohte doch, wenn Gott nicht gnädig war, die ewige Verdammnis, die ewige Qual im Höllenfeuer, die ewige Ferne von Gott. Das waren keine Metaphern. Für die Menschen damals war all das leibhaftig, so wie es die bildlichen Darstellungen der damaligen Zeit vor Augen führten. Es wundert nicht, dass die Christen zu äußersten Dingen bereit waren, um sich der Gnade Gottes zu versichern, und die Kirche zog daraus ihre das tägliche, das gesellschaftliche Leben vollständig durchdringende Macht.

Luther entfernte sich immer mehr von der katholischen Lehre. Entscheidend war schließlich das von ihm selbst ein Jahr vor seinem Tod im Vorwort zur lateinischen Ausgabe seiner gesammelten Schriften geschilderte "Turmerlebnis". Im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters hatte er über die Rechtfertigung vor Gott nachgegrübelt. Vor allem setzte er sich mit dem Römerbrief auseinander und besonders mit Römer 3, 23-28. Er kam im Blick auf den Menschen, der an Jesus Christus als seinen Erlöser glaubt, zu der Schlussfolgerung, dass Gott allein den Menschen mittels eines souveränen, durch keine guten Taten erzwingbaren Gnadenaktes gerecht spreche. Gute Werke seien die selbstverständliche Folge der so gewonnenen Annahme durch Gott, nicht ihre Voraussetzung.

Luther hat seine Deutung der Rechtfertigungslehre des Paulus in seiner Heidelberger Disputation von 1518 folgendermaßen verdichtet: Gottes Liebe findet das Liebenswerte nicht vor, sondern schafft es erst. Die Liebe des Menschen entsteht von Gott her. Denn Gott liebt die Sünder nicht, weil sie schön sind, sondern die Sünder werden schön, weil sie geliebt sind.
Eine solche Auffassung musste auf den stärksten Widerspruch der damaligen Kirche und entsprechende Gegenmaßnahmen stoßen. Am 3. Januar 1521 wurde Luther durch die Bulle Decet Romanum Pontificem von Leo X. exkommuniziert.

Im Verlauf seines reformatorischen Wirkens wurde Luther zu einer nationalen Gestalt, an der sich die Sehnsüchte der religiös in Unmündigkeit und gesellschaftlich in feudaler Knechtschaft - das bezieht sich vor allem auf den Bauernstand - gehaltenen Menschen in einem Maße entzündeten, das den Widerstand des Reformators, der um sein Reformwerk fürchtete, hervorrief.
Ein entscheidendes Instrument zur Beförderung seines Werkes war für Luther die deutsche Sprache, die er vor allem durch seine Bibelübersetzung und seine großen Streitschriften aus dem Jahre 1520 ("Von der Freiheit eines Christenmenschen", "Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche" sowie "An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung") zu dem wunderbaren, zarten und eindringlichen Medium machte, dessen wir uns heute wie selbstverständlich bedienen.

Indem er das Deutsche auf der Grundlage der Sprache der sächsischen Kanzlei lebendig und anschaulich machte, indem er es durch seine Bibelübersetzung zu einer Sprache ausbaute, die alle Kultur- und Lebensbereiche umfasste, wurde eine qualitativ neue Stufe in der Herausbildung einer einheitlichen deutschen Nationalsprache erreicht.

Angesichts der bahnbrechenden Leistungen Luthers steht man erschüttert vor einem Phänomen, das in jüngerer Zeit wieder stärker diskutiert wird. In seiner Schrift aus dem Jahre 1542 „Von den Jüden und ihren Lügen" greift er, in erster Linie religiös motiviert, die Deutschen jüdischen Glaubens an, fordert, „daß man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe, und beschütte, daß kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich ... Zum andern, daß man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre ...Zum dritten, daß man ihnen nehme alle ihre Betbüchlein und Talmudisten, darin solche Abgötterei, Lügen, Fluch und Lästerung gelehrt wird ... Zum vierten, daß man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren ... Zum fünften, daß man den Juden das Geleit und Straße ganz und gar aufhebe, denn sie haben nichts auf dem Lande zu schaffen, weil sie nicht Herren noch Amtleute noch Händeler oder desgleichen sind; sie sollen daheim bleiben. ..."

Man muss sich hüten, ein Urteil im Licht heutiger Erkenntnis und nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zu fällen oder Luther auf seinen Antijudaismus zu verkürzen. Derartige Ausbrüche und auch die Sprache, in die sie gekleidet sind, kann man mit dem Geist der Zeit zu erklären versuchen oder mit Luthers Enttäuschung darüber, dass sich die Juden nicht zum Evangelium von Jesus Christus bekehren ließen oder mit der Vehemenz, mit der er auch andere Gegner verfolgte. Sie bleiben dennoch eine unentschuldbare Preisgabe der Grundsätze seines eigenen Glaubens an Christi Evangelium der Liebe.

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Quellen:

Die Bibel, Nach der deutschen Übersetzung Martin Luthers, Evangelische Hauptbibelgesellschaft, Berlin (1952).

Streller, Siegfried (1970): Hutten, Müntzer, Luther. Werke in zwei Bänden, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar.

Luther, Martin (1543): Von den Jüden und ihren Lügen", gedruckt zu Wittenberg durch Hans Luft.

Anna Berger und Tina Romstedt: Student, Mönch und Reformator in Erfurt.

http://www.sgipt.org/sonstig/metaph/luther/lvdjuil.htm

Daniel Krüger: "Martin Luther" auf Weimar-Lese.

Christoph Werner: "Luther und der Jude von Halle" auf Halle-Lese.