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Der verliebte Schwan und 35 weitere Fabeln

»Die Fabeln von Florian Russi spiegeln unser tägliches Verhalten wider. Sie regen an zum kreativen Nachdenken über sich selbst. Nicht belehrend, sondern unterhaltend. Deswegen sind Fabeln heute wieder so modern.« Benedikt Otto, mdr

ISBN 978-3-95462-708-0

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Der Kleberich

Der Kleberich

Florian Russi

Am Waldrand standen Pflanzen, die von den Leuten „Kleberich“ genannt wurden. Wann immer jemand an ihnen vorbei streifte, hefteten sie sich an der Kleidung oder auch an der Haut fest und waren dann nur sehr schwer und mit viel Geduld wieder wegzukriegen.
Eines Tages lief ein junger Fuchs an den Kleberichen vorbei und suchte nach Mäusen. Da rief ihm ein Kleberich zu: „Was bist du doch für ein schönes Tier und was für ein Glück du hast, so frei durch die Natur laufen zu können. Ich dagegen bin fest an einer Stelle verwurzelt und muss mich an andere Pflanzen klammern. Hab‘ du doch ein Herz für mich. Komm zu mir, damit ich mich an dir festhalten kann, Dann habe ich die Möglichkeit, mit dir zusammen ein wenig mehr von der Welt kennenzulernen.“
Der kleine Fuchs bekam Mitleid mit dem Kleberich und lief auf ihn zu. Als er ihn erreicht hatte, lehnte der Kleberich sich zu ihm hinüber und klebte sich an seinem Fell fest. Gemeinsam durchstreiften sie nun den Wald und die angrenzenden Felder. Unterwegs sahen sie viele andere Tiere und Pflanzen. Die meisten von Ihnen hatte der Kleberich bis dahin noch nie kennen gelernt. So ging es bis zum Abend. Dann sagte der Fuchs: „Nun weißt du, wie es in der Welt aussieht. Jetzt müssen wir uns trennen, denn ich bin müde und will schlafen gehen.“
Der Kleberich machte jedoch keine Anstalten, sich von dem Fuchs loszulösen. Da begann der Fuchs, ihn mit seinen Hinterpfoten von seinem Fell wegzukratzen. Das Ergebnis war, dass nun auch Teile des Kleberichs sich an seinen Hinterpfoten festsetzten. Als er nun versuchte, den Kleberich mit seinen Vorderpfoten wegzukratzen, blieb der auch an den Vorderpfoten kleben. Riss er ihn mit der linken Pfote los, klebte er an ihr, nahm er die rechte Pfote, so blieb er an der kleben.
„Jetzt reicht es mir aber“, rief da der Fuchs. Er rieb sich an einem Baum, doch der Kleberich klammerte sich noch mehr in seinem Fell fest. Der Fuchs wälzte sich auf der Erde hin und her, das Ergebnis war das Gleiche. Als der Fuchs einen seiner Brüder traf, bat er ihn, den Kleberich von ihm loszureißen, doch das hatte nur zur Folge, dass bald auch das Fell des Bruders verklebt war und der Bruder fürchterlich zu schimpfen begann. Nun riss dem Fuchs endgültig die Geduld. Er biss in den Kleberich und versuchte, ihn mit dem Maul aus seinem Fell zu reißen. Da schrie der Kleberich auf und klebte von da an nicht nur am Fell des Fuchses, sondern auch an und in seiner Schnauze fest. In höchster Verzweiflung rannte der Fuchs nun zu einem Teich, sprang hinein und versuchte den Kleberich im Wasser abzustreifen. Der jedoch hielt sich an den Schlingpflanzen im Wasser fest, so dass der Fuchs nicht weiter schwimmen konnte und nach längerem Kampf elend im Teich ertrank.

Fazit: Hüte dich vor Schmarotzern und allzu engen Bindungen



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