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Birgit Neumann-Becker/Stephan Bickhardt/Antje Wilde/Wolfram Tschiche (Hg.)
Aufruf zum Miteinander
30 Jahre Friedliche Revolution 2019/20
Eine Diskussion mit Hans-Jochen Tschiche

Zum 90. Geburtstag von Hans-Jochen Tschiche

Der Sammelband vereinigt Texte von Hans-Jochen Tschiche zu unterschiedlichsten Themen, die sein politisches Denken widerspiegeln. Die Autorinnen und Autoren des Bandes begeben sich in den Diskurs damit und heben sie in die Gegenwart. So wird deutlich, dass Tschiche auch für die heutige Zeit Wichtiges beizutragen hat, dass die Auseinandersetzung mit seinem politischen Wirken und Denken nach wie vor befruchtend ist.

Unser Leseangebot
Die Gazelle und der arabische Wolf

Die Gazelle und der arabische Wolf

Deutsche Internationale Schule Sharjah

Die Freundschaft der gutherzigen Gazelle und des hinterlistigen arabischen Wolfes, basierte auf einer Lüge, welche die gutgläubige Gazelle immer und immer wieder glaubte. »Du bist und bleibst mein bester Freund, egal was passiert, ich bin immer für dich da und du kannst dich auf mich verlassen!«, war der weltberühmte Satz, den die Gazelle fast jeden Tag vom arabischen Wolf hörte. Sie war fest davon überzeugt, dass er die Wahrheit sprach, und war ganz gerührt über seine Worte. Es verging kaum ein Tag, an dem der Wolf die Gazelle nicht um irgendeinen Gefallen bat, doch es störte die Gazelle nicht. Sie erfüllte ihm jeden Wunsch, war er doch ihr bester Freund. Immer häufiger bat er um dieses und jenes, wie: »Könntest du mir Beute besorgen?«, oder: »Gib mir mal bitte Deckung, da sind nämlich die feindlichen Wölfe.« Die Gazelle ließ sich davon nicht stören und half ihm, wo sie konnte. Doch dann kam der Tag, an dem es sogar der Gazelle zu viel wurde und sie zu sich selber sagte: »Okay, es reicht mir jetzt, den nächsten Gefallen des Wolfes werde ich nicht erfüllen, auch wenn er mein bester Freund ist.« Sie wiederholte diese Worte immer und immer wieder, doch waren sie anscheinend nicht überzeugend genug. Denn sobald der arabische Wolf sie wieder um etwas bat, wurde sie erneut schwach und erfüllte ihm seine Wünsche. Bis eines Tages die Gazelle in Schwierigkeiten mit einer Gruppe Wüstenfüchse kam. Diese hatten sich bedrohlich zusammengerottet, und man konnte an ihren gefletschten Zähnen schon ahnen, was sie mit der Gazelle vorhatten. Hilflos und angsterfüllt schaute sie sich um, in der Hoffnung auf Rettung. Diese schien zu nahen, als ihr bester Freund unverhofft auftauchte. Verzweifelt schrie sie nach seiner Hilfe, doch der arabische Wolf, der die Füchse problemlos hätte vertreiben können, hatte überhaupt keine Lust sich in Schwierigkeiten zu begeben. Er ergriff die Flucht und überließ die Gazelle ihrem Schicksal.

Sobald aus einem Geben und Nehmen ein alleiniges Geben wird, wird aus einer Freundschaft ein Ausnutzen.

Oder:

Manche Freunde zeigen erst in der Not, ob sie echte Freunde sind.

Samar Assad, Klasse 8, Sharjah


*****

Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S. 17f.


Bildquelle:

Dünen der Wüste, 2016, Urheber: Falkenpost via Pixabay CCO; The book of antelopes (1894) Gazella bennetti, 1894, Urheber: Philip Sclater via Wikimedia Commons Gemeinfrei; Arabian wolf illustration, 1890, Urheber: Mivart, St. George Jackson via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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