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Heinz Peter Brogiato/Mathias Röschner
Koloniale Spuren in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft
Sachbuch

ET: Mai 2020

Wie gehen wir mit unserer kolonialen Vergangenheit um?

Fachleute aus elf Archiven von Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft widmen sich dem Thema »Kolonialismus« aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Die Beiträge spannen einen weiten Bogen von der frühkolonialen Afrika­forschung über postkoloniale Ideen im Rahmen eines technokratischen Megaprojekts bis zu den antikolonialen Bewegungen der 1960er Jahre in Westdeutschland, städtebaulichen Aktivitäten der DDR-Architektur in den jungen Nationalstaaten und der kritischen Aufarbeitung der Thematik.

Die Gazelle und der arabische Wolf

Die Gazelle und der arabische Wolf

Deutsche Internationale Schule Sharjah

Die Freundschaft der gutherzigen Gazelle und des hinterlistigen arabischen Wolfes, basierte auf einer Lüge, welche die gutgläubige Gazelle immer und immer wieder glaubte. »Du bist und bleibst mein bester Freund, egal was passiert, ich bin immer für dich da und du kannst dich auf mich verlassen!«, war der weltberühmte Satz, den die Gazelle fast jeden Tag vom arabischen Wolf hörte. Sie war fest davon überzeugt, dass er die Wahrheit sprach, und war ganz gerührt über seine Worte. Es verging kaum ein Tag, an dem der Wolf die Gazelle nicht um irgendeinen Gefallen bat, doch es störte die Gazelle nicht. Sie erfüllte ihm jeden Wunsch, war er doch ihr bester Freund. Immer häufiger bat er um dieses und jenes, wie: »Könntest du mir Beute besorgen?«, oder: »Gib mir mal bitte Deckung, da sind nämlich die feindlichen Wölfe.« Die Gazelle ließ sich davon nicht stören und half ihm, wo sie konnte. Doch dann kam der Tag, an dem es sogar der Gazelle zu viel wurde und sie zu sich selber sagte: »Okay, es reicht mir jetzt, den nächsten Gefallen des Wolfes werde ich nicht erfüllen, auch wenn er mein bester Freund ist.« Sie wiederholte diese Worte immer und immer wieder, doch waren sie anscheinend nicht überzeugend genug. Denn sobald der arabische Wolf sie wieder um etwas bat, wurde sie erneut schwach und erfüllte ihm seine Wünsche. Bis eines Tages die Gazelle in Schwierigkeiten mit einer Gruppe Wüstenfüchse kam. Diese hatten sich bedrohlich zusammengerottet, und man konnte an ihren gefletschten Zähnen schon ahnen, was sie mit der Gazelle vorhatten. Hilflos und angsterfüllt schaute sie sich um, in der Hoffnung auf Rettung. Diese schien zu nahen, als ihr bester Freund unverhofft auftauchte. Verzweifelt schrie sie nach seiner Hilfe, doch der arabische Wolf, der die Füchse problemlos hätte vertreiben können, hatte überhaupt keine Lust sich in Schwierigkeiten zu begeben. Er ergriff die Flucht und überließ die Gazelle ihrem Schicksal.

Sobald aus einem Geben und Nehmen ein alleiniges Geben wird, wird aus einer Freundschaft ein Ausnutzen.

Oder:

Manche Freunde zeigen erst in der Not, ob sie echte Freunde sind.

Samar Assad, Klasse 8, Sharjah


*****

Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S. 17f.


Bildquelle:

Dünen der Wüste, 2016, Urheber: Falkenpost via Pixabay CCO; The book of antelopes (1894) Gazella bennetti, 1894, Urheber: Philip Sclater via Wikimedia Commons Gemeinfrei; Arabian wolf illustration, 1890, Urheber: Mivart, St. George Jackson via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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