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Hans-Henning Paetzke
Heimatwirr
Roman

Von Angepassten und Unangepassten

Ein Mann verlässt Familie und Geliebte, um sich in West-Deutschland als literarischer Übersetzer zu etablieren. Schließlich holt er seine Frau Gizella und seinen Sohn Bence nach, der als Neunjähriger bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Plötzlich taucht Rosa, die Tochter seiner Geliebten, auf, die aus einem Ostberliner Kinderheim kommt und auf der Suche nach ihrem Vater ist. Sie beginnt Bences Platz einzunehmen und entwickelt sich zum Störfaktor …
In seinem neuen Roman lässt Hans-Henning Paetzke das autobiografische Moment in den Vordergrund treten, das sich mit dem Leben der anderen verbindet – von kommunistischen Tätern und Opfern aus Ungarn und der untergegangenen DDR, von Spitzeln und Bespitzelten, von Angepassten und Unangepassten.

Die Gazelle und der arabische Wolf

Die Gazelle und der arabische Wolf

Deutsche Internationale Schule Sharjah

Die Freundschaft der gutherzigen Gazelle und des hinterlistigen arabischen Wolfes, basierte auf einer Lüge, welche die gutgläubige Gazelle immer und immer wieder glaubte. »Du bist und bleibst mein bester Freund, egal was passiert, ich bin immer für dich da und du kannst dich auf mich verlassen!«, war der weltberühmte Satz, den die Gazelle fast jeden Tag vom arabischen Wolf hörte. Sie war fest davon überzeugt, dass er die Wahrheit sprach, und war ganz gerührt über seine Worte. Es verging kaum ein Tag, an dem der Wolf die Gazelle nicht um irgendeinen Gefallen bat, doch es störte die Gazelle nicht. Sie erfüllte ihm jeden Wunsch, war er doch ihr bester Freund. Immer häufiger bat er um dieses und jenes, wie: »Könntest du mir Beute besorgen?«, oder: »Gib mir mal bitte Deckung, da sind nämlich die feindlichen Wölfe.« Die Gazelle ließ sich davon nicht stören und half ihm, wo sie konnte. Doch dann kam der Tag, an dem es sogar der Gazelle zu viel wurde und sie zu sich selber sagte: »Okay, es reicht mir jetzt, den nächsten Gefallen des Wolfes werde ich nicht erfüllen, auch wenn er mein bester Freund ist.« Sie wiederholte diese Worte immer und immer wieder, doch waren sie anscheinend nicht überzeugend genug. Denn sobald der arabische Wolf sie wieder um etwas bat, wurde sie erneut schwach und erfüllte ihm seine Wünsche. Bis eines Tages die Gazelle in Schwierigkeiten mit einer Gruppe Wüstenfüchse kam. Diese hatten sich bedrohlich zusammengerottet, und man konnte an ihren gefletschten Zähnen schon ahnen, was sie mit der Gazelle vorhatten. Hilflos und angsterfüllt schaute sie sich um, in der Hoffnung auf Rettung. Diese schien zu nahen, als ihr bester Freund unverhofft auftauchte. Verzweifelt schrie sie nach seiner Hilfe, doch der arabische Wolf, der die Füchse problemlos hätte vertreiben können, hatte überhaupt keine Lust sich in Schwierigkeiten zu begeben. Er ergriff die Flucht und überließ die Gazelle ihrem Schicksal.

Sobald aus einem Geben und Nehmen ein alleiniges Geben wird, wird aus einer Freundschaft ein Ausnutzen.

Oder:

Manche Freunde zeigen erst in der Not, ob sie echte Freunde sind.

Samar Assad, Klasse 8, Sharjah


*****

Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S. 17f.


Bildquelle:

Dünen der Wüste, 2016, Urheber: Falkenpost via Pixabay CCO; The book of antelopes (1894) Gazella bennetti, 1894, Urheber: Philip Sclater via Wikimedia Commons Gemeinfrei; Arabian wolf illustration, 1890, Urheber: Mivart, St. George Jackson via Wikimedia Commons Gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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