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Berndt Seite

N wie Ninive
Erzählungen

In metaphorisch einprägsamen Stil  werden verschiedene Schicksale erzählt, die ihren Haupthelden alles abverlangen, sie an ihre Grenzen bringen. Bei der Frage nach der Schuld, nach Gerechtigkeit und Gott verstricken sich Zukunft und Vergangenheit. 

"Er hat einen eigenen Ton, ein bisschen mecklenburgisch erdenschwer, aber dann auch wieder sehr poetisch"

Frankfurter Allgemeine 07.10.2014 Nr. 232 S. 10 

40 Tage Fastenzeit

40 Tage Fastenzeit

Herbert Kihm

Die Mystik der Zahl 40

Die Zahl 40 hat in der jüdischen und christlichen Überlieferung eine hohe Symbolkraft. Immer wieder findet sie sich in den Schriften des Alten und des Neuen Testaments.

So ergoss sich der Regen der Sintflut 40 Tage und 40 Nächte auf die Erde. Auch wartete Noah, nachdem die ersten Berge wieder sichtbar wurden, 40 Tage. Erst dann öffnete er das Fenster der Arche, um den Raben heraus zu lassen. Das Volk Israel wanderte nach dem Auszug aus Ägypten 40 Jahre durch die Wüste und durchlief damit eine Zeit der Läuterung. Moses war Gott auf dem Berg Sinai 40 Tage nahe. Die Stadt Ninive hatte 40 Tage, um ihre Sünden zu bereuen. Nach Levitikus gilt eine Frau bei Geburt eines Knaben 40 Tage (7 Tage und 33 Tage „Reinigungsblutung“) und nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage (14 Tage und 66 Tage „Reinigungsblutung“) als unrein. Danach hat sie sich rituell zu reinigen und zu Zeiten des zweiten Tempels dem Priester als Reinigungsopfer ein Schaf und eine Taube zu übergeben.

Und auch Jesus ging 40 Tage in die Wüste, um sich durch Gebet und Fasten auf seine Sendung vorzubereiten. Im Neuen Testament lehrte der auferstandene Christus vierzig Tage lang seine Jünger über das Reich Gottes und wurde dann in den Himmel auf den Platz „zur Rechten Gottes“ erhoben (Christi Himmelfahrt).

Als die verzehnfachte Vier repräsentierte sie Vollkommenheit. Die griechischen Naturphilosophen sahen vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft) als Grundbestandteile allen Seins: Die Vier-Elemente-Lehre wirkt bis in die heutige Zeit. Da es neben den vier Elementen vier Himmelsrichtungen, Jahreszeiten und Temperamente gibt, galt die Vier im Mittelalter als die Zahl des Irdischen, im Gegensatz zur Drei, der Zahl Gottes und der Trinität.

Seit jeher zählte man mit den Fingern. Die Zehn stand wohl auch deshalb für Anfang und Ende aller Zahlen, erschien als magische Grenze. Sie bildet die Summe der ersten vier Zahlen (1+2+3+4) und wurde früh zum Zeichen der Vollkommenheit und Vollendung. Eine wichtige Rolle in Judentum und Christentum spielen die Zehn Gebote, ebenso ist die Rede von zehn biblischen Plagen.

Der Ursprung des Vierzig-Tage-Rhythmus lässt sich in Babylonien suchen, wo eine Verbindung des vierzigtägigen Verschwindens des Sternbildes der Plejaden hinter der Sonne mit Regen, Unwetter und Gefahren beobachtet wurde. Bei der Wiederkehr der Plejaden wurde als Zeichen der Freude ein Bündel aus vierzig Schilfrohren verbrannt.

In Ägypten plante man nach diesem astrologischen Vierzigerschema das Erntekalendarium, ebenso wie im antiken Griechenland (Hesiod). In Ägypten deutete man diese Zeit als vierzig Tage des Todes und des Fernbleibens von Osiris, während deren das Fasten vorgeschrieben war.

Und last but not least: Die Schwangerschaft dauert beim Menschen vierzig Wochen.

Fazit: Schaut man also einmal die Dauer der Fastenzeit etwas genauer an, dann stellt man fest, dass sie auf einer langen Historie beruht und nicht eine willkürliche Festlegung ist.

So haben viele Vorgaben, Feste und Vorschriftenim Christentum und anderen Religionen ihre Wurzeln in wesentlich älteren Kulturen.

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- Vorschaubild: Rita Dadder, unter Verwendung des Gemäldes "Schlucht" von August Macke (1914)

- Bild im Text: Verkörperung der Fastenzeit, Ausschnitt aus dem Gemälde "Der Kampf zwischen Karneval und Fasten" von Pieter Brueghel dem Älteren (1559)