Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de
Unser Leseangebot

 

Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Sehnsucht

Sehnsucht

Joseph von Eichendorff

Von der Versuchung eines Christen

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) war einer der bedeutendsten Romantiker und hat sich als religiöser, tugendhafter, ja fast biederer Autor, Beamter, Ehemann und Familienvater ins Bewusstsein seiner Leser eingeprägt. Das Gedicht „Sehnsucht" zeigt, dass auch er sich mit Verlockungen auseinanderzusetzen hatte, welche die Beschäftigung mit Kunst unwillkürlich mit sich bringt. Auch das „lyrische Ich" dieses Gedichts „trafen Liebesblicke" und es hört ungeduldig „Rosse scharren" und hatte eine Ahnung von Schönheit und Glück, die außerhalb des gewohnten Lebensraums stehen. Er sehnt sich danach. Nachdem er sich aber einmal für die Treue entschieden hat, will er mit „Freuden und Schmerzen" dabei bleiben und sein Herz nicht entweichen, sondern eher „untergehen". In seinem Verzicht tritt auch Resignation erkennbar hervor.

Florian Russi

Selig, wer zur Kunst erlesen,
Ruhig in getreuer Lust,
Hoher Dinge seltsam Wesen,
Selber froh erschreckt, mag lesen
In der Wundervollen Brust!

Wie die Rosse mutig scharrten!
Ach! die Freunde sind voraus!
Draußen blüht der schöne Garten,
Draußen Wald und Liebchen warten,
Und ich kann nicht, kann nicht raus!

Bleib' ich ewig fern vom Glücke? -
Wen die Treue ganz durchdrang,
Einmal trafen Liebesblicke,
Ach! er kann nicht mehr zurücke,
Und ich kniee Lebenslang.

Lodert, lodert heilge Kerzen!
Bleibet unerhört mein Flehn:
Will ich in den Freuden, Schmerzen,
Mit dem unentweihten Herzen
Treu und heilig untergehn.

 

*****

Vorschaubild Rita Dadder (Brunnen im Garten des Restaurants Troika in Obergrundstedt (Weimar/Thüringen)

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Du bist wie eine Blume
von Heinrich Heine
MEHR
Der Kuß im Traume
von Karoline von Günderrode
MEHR
Gib Liebe mir
von Achim von Arnim
MEHR
Meine Ruh ist hin
von Johann Wolfgang von Goethe
MEHR
Werbung